Gewonnen, gewonnen, gewonnen!

Übrigens: Unser Gewinnspiel vom Flieger ist noch aufzulösen! Danke für alle Beiträge, auch von euren Hirnzellen!
Wir dürfen nun sogar zwei Siegerinnen gratulieren:

Hanna für James Bond: Octopussy - so abseitig haben wir nicht gedacht ;-)
und
Birgit für ... einer der Titel ist sicher ein richtiger, kennen tun wir alle nicht!

Die andern waren auch smart, sind uns aber eben in der langen Wartezeit selbst auch eingefallen.

Die Preise werden persönlich übergeben und, so viel kann man verraten, süß-schmelzend sein! Hoffe, sie kommen ungeschmolzen an!

Track juchhe

Und jetzt kommt der Abel Tasman! Wettervorhersage: erst mal „mainly fine“, das heißt super. Nun heißt es noch zusammenpacken und das Essen für 6 Tage kalkulieren. Zu kaufen gibt es unterwegs nämlich nichts, auch keine Mülleimer. (Gibt es, mein ich. Kaufen würd ich eh keinen wollen.) Da trägt man alles durch. Morgen, Montag, geht’s los und dann in Etappen von Süd nach Nord auf insgesamt ca. 55 Kilometern.
21.12.: Marahau–Te Pukatea Bay (4 h)
22.12.: Te Pukatea–Medlands Beach (3 h)
23.12.: Medlands–Awaroa (4 h), Herrenschafs Geburtstag
24.12.: Awaroa–Anapai Bay (2 h), unsere Weihnachtsstation, wie blogeingangs beschrieben
25.12.: Anapai–Whariwharangi Bay (2,5 h)
26.12.: Whariwharangi–Totaranui (3 h), Inland über den Gibbs Hill Track, um 15 Uhr das Wassertaxi zurück nach Marahau

Übermachen werden wir uns dabei nicht, nach dem muskelstählenden Arbeitstraining auf der Farm. Eher bleibt jeden Tag massig Zeit zum Baden und am Strand herumliegen und durch den Wald tollen und Insekten aller Art beobachten und ...

Wie ihr sehen könnt, haben wir uns für dieses Foto extra einen Hubschrauber gechartert und einen Apparat gekauft, der gleich runde Ecken, Schattierung und weißen Hintergrund produziert ;-)


No, dann wünscht uns gut Wetter und Petri Heil und Blasenfreiheit – wir wünschen euch ein fröhliches Fest, alles Gute zu den anfallenden Geburtstagen am 24. und 26. und wir lesen uns gewiss vor dem Jahreswechsel noch mal!

Weitere Pläne:
Am 26. abends vielleicht mitten durchs Inland nach Süden zum Lake Rotoroa (Nelson Lakes Nationalpark).
Dann die Westküste runter, mit einigen Wanderungen in der Gegend von Franz Josef bis Haast.
Und Silvester vielleicht dann schon recht weit im Süden am Lake Wanaka.

Der nächste Schwerpunkt wird dann der bergige, regenreiche Süden, rund um Queenstown und Te Anau.

Farm ade

Sodalla, das hätt’n ma. Hat sich wieder mal als wirklich fein herausgestellt, das Farmen. Ist in Wahrheit das Herz der Reise, weil man doch mehr mitnimmt als Touristeneindrücke. Wir zum Beispiel tragen jetzt auf stolzgeschwellter Brust unsere selbstgeschnitzten Knochenanhänger. Außerdem haben wir beide je eine Ladung Scones gebacken, das sind im Idealfall hoch aufgegangene, leicht goldgebräunte Stücke weißen Teiggebäcks. Ähm, einmal waren es flache Laibchen, einmal krustig-braune Kekse – aber gut waren sie trotzdem.
Mit Reiten war’s irgendwie nix – die netteren der Pferde sind nicht zugeritten. Aber macht auch nichts. Gespräche und Geschichten hatten wir am Ende übergenug und mit der Arbeit waren auch beide Seiten sehr zufrieden.
(shesheep)

Kochen und Knochen

Entwarnung: Wir müssen nicht in der Wwoofer-Zone kochen. Das waren andere Zeiten. Sind ja nicht mal Vorräte oben. Nach etwas Unsicherheit klärt sich, dass wir zum Kochen (was nicht selten wir für alle besorgen) und Essen runterkommen. Und dass eine Menge Zeit und Lust zum Reden da ist. Der Host hat wirklich spannende Geschichten im Ärmel. Hat im Gefängnis von Wellington gearbeitet und im schlimmsten Viertel gelebt – so haben die von drinnen ihren Freunden draußen gesagt, wo sie einbrechen sollen usw. usw.
Außerdem spielen wir mit ihnen (Familie, Freunde), u. a. ein nettes Kartenspiel namens Dominion. Wird für zu Haus gekauft ...
Ja, und gestern Abend hat es dann Klick gemacht – keiner weiß warum – und Frau Schaf ist drinnen in der Reise, angekommen, im Flow. Puh. Hat ja gedauert.
Da traut man sich doch heute gleich noch mal drüber, über das Knochenstück. Und gibt ihm eine Form. Übrigens, so sagt uns der Knochenschnitzer jetzt: Das erste Stück muss hergeschenkt werden. Ist so Sitte.

Gwachsene Gschichten

Es ist unglaublich, was wir willigen wolligen* Männer alles mitmachen müssen. Heute haben wir bei unserem Host in Ngatimoti die Hauptarbeit begonnen: den zugewachsenen Staudamm von Schlamm und Schlingpflanzen befreien! Eine Drecksarbeit im wahrsten Sinn. Während der eine mit einem dicken Saugeschlauch den Grund von Schlamm befreit, schneidet der andere von einer kleinen Sandinsel aus das chaotisch wuchernde Grünzeug vom Grunde und versucht es dann mit Kübeln ein paar Meter weiter zu deponieren. Umso schrecklicher die Sauerei, wenn man mit den Händen mitten im Schlick plötzlich drauf kommt, dass hier auch andere sich tummeln: riesige Wasserspinnen, unzählige kneifende Krebse und vor allem schleimige Aale, die sich mit allen Vieren gegen das Weggesaugtwerden stemmen und auch nicht davor zurückschrecken sich um die Extremitäten der arbeitenden Massen zu schlingen. Buäh. Leider gibt’s von den Biestern kein Foto.
Sollten zufällig Kinder hier mitlesen, so merkt euch: Springt und greift nicht in sedimentierte Gewässer, die u.U. ein signifikantes Negativdefizit an Aalpopulationen beherbergen!
Aber genug des Meinungsmachens. Was noch zu bemerken wäre, ist, dass wir neben der Hauptbeschäftigung (Garten weeden, Hothouse gießen, Heu streuen, Küche putzen, Beete anlegen, Driveway von Langgras befreien, Horsemanure schaufeln), auch noch zu Freizeit kommen und in dieser gerade ein traditionelles Handwerk erlernen – ansatzweise zumindest. Bonecarving. Unsere Erstlingswerke nehmen wir mit heim, klar, keine Angst.

Beim Durchlesen hab ich gerade gemerkt, dass das „Saugeschlauch“ zu Verwirrungen führen könnte. Gemeint ist hier natürlich nicht das herkömmliche Sau-Geschlauch, das – mit welchem Inhalt auch immer gefüllt – von mir gerne als Brotbelag genommen wird, sondern DER Saugeschlauch (männlich), mit dessen Hilfe manch ein Gefäß schon trockengelegt wurde. Dies übrigens unter Nutzung des Prinzips der kommunizierenden Gefäße (ergänzende Informationen dazu bei einem privaten Gespräch nach Wiederkehr). Und außerdem: Das Saugeschlauch als Bodenreinigungsgerät verwenden zu wollen, wäre ja wirklich ein ausgesprochener Blödsinn ...
(hesheep)

* wollig deshalb, weil jedes Jahr mein Beinhaar durch den Kontakt mit der Sommersonne sich zu kräuseln beginnt. Und willig im Übrigen nur deshalb, weil wir uns ja als Wwoofer = „Willing Workers“ verdingt haben.

Long time no hear!

Liebe KommentatorInnen!
Wir könnten jetzt sagen, das war ein Test, ob wir wem abgehen. (Tun wir! Das freut!)
Aber gewesen ist's anders. Zuerst war's irgendwie durchwachsen, nicht so richtig viel erlebt, und immer wieder Regen. Ein bisschen die Sinnfrage auch.
Dann auf der Farm hat sich natürlich wieder so viel getan, dass wir mit Schreiben nicht nachgekommen sind.
Latest breaking news: Wir lernen (by doing, wie man so schön sagt): bone-carven, sprich auf einem Kuhknochen rum-schmirgeln, bis er was gleichschaut!

Tag Zwei

9.12.2009
Heute soll’s früh losgehen: Acht bis zwölf ist der Plan fürs Arbeiten – und dann schnell weg Richtung Stadt. Der Gemüsegarten muss noch von herumliegenden Holz- und Plastikstücken befreit werden. Und die erfolglose Ex-Heidelbeer-Anlage gehört abgebaut, sprich ausgerissen. Es handelt sich da um zwei etwa 20 Meter lange Plastikbahnen, die mittlerweile solid eingewachsen bzw. von riesenfetten Grasbüscheln durch- und überwachsen sind. Freudefreude.
Aber mit der Zeit entwickeln wir die richtige Technik und reißen meterweise nur so dahin. Fast noch blöder ist der Ex-Hasenabwehrzaun, ebenfalls eingewachsen, denn der reißt beim Ausreißen selbst und man muss ihn richtig rundum ausgraben wie die Disteln.
Von denletzteren finden wir auch noch eine Menge, auch hier entwickeln wir uns zu Experten. Zumal macht das Rumhüpfen und -stampfen auf der Mistgabel richtig Spaß. So smart, dass man sein Körpergewicht einsetzen kann, statt der Muskeln! Shesheep hängt sich nach links, rechts, vorn und hinten – vorzugsweise, bis sie hinterwärts erdet. Der Boden ist weich, überall machen sich die Regenwürmer davon. Spaßspaß!

Nun entdecken wir auch ein echtes Highlight der Wwoofer-Zone: die Dusch-Anlage. Ein Häuslein mit Wänden aus eng gebundenen Zweigen, transparentem Dach und kleinen runden Steinen als Boden. Neben der Duschtasse kommt der Farn raus, draußen heizt das Wasser solar in Schläuchen auf, in einem geschützten Plätzchen gibt’s noch Wasch- und Spülbecken mit Aussicht und einheizen kann man auch, wenn mal keine Sonne scheint. Nett! Und total natur-sauber.
Das WC ist ein Plumps, aber auch nett gemacht (und im Wwoof-Buch angekündigt), am Waldrand, mit Aussicht und nicht grauslich.

On dwellings and thistle-work

Unser erster Task ist aufräumen und putzen. Machen wir gern, um uns da oben etwas wohler zu fühlen. Trotzdem können wir nicht glauben, dass wir hier kochen sollen: In einem Wohnwagen mit vorgelagerter Plane, wo drinnen die Spinnen spinnen, wo alles mögliche Zeug herumliegt, das ganz offensichtlich schon lange keiner mehr in der Hand gehabt hat. Von uralten Eierschalen bis vertrockneten Maiskolben; mauszerfressene einzelne Socken; Pflanzschäufelchen; verrostete, doch originalgefüllte Früchtedosen; Riesenplanen; Teppichteile; Schaumstoff; Motorradhelm, innen zerfetzt; Kinderdreirradler aus den 60ern; verstaubte Kartons mit Gewürzen; Massen leerer Plastikbehälter. Sogar nur hier daneben zu parken fühlt sich ungemütlich an!
Ja, schnell mal drei Müllsäcke gefüllt und ein bisschen gekehrt, dann geht’s etwas besser. Der weitere Arbeitstag, sprich drei Stunden, gehört Obstbäumen (ausschneiden) und Baby-Disteln (mit Wurzel ausgraben). Aber vorher: baden! Die Hitze ist nicht ohne. Not without, wie das Herrenschaf sagt. Man empfiehlt uns eine Stelle am Fluss mit Gumpen – letztlich traut sich natürlich nur das bis aufs Bein abgehärtete Frauenschaf ganz rein. Herrlich!
Was wir dann von Distelwerk befreien, ist übrigens der Ex-Riesengemüsegarten für die große Ex-Arbeitschar hier. Was diese Arbeit pikant macht, ist nicht das gelegentliche, feine Stacheln; auch nicht die Schwere der Riesenscheren, die sie hier zum Grasschnitt verwenden (wer mit einer Sense umgehen kann, erntet anerkennende Blicke) – sondern ein unglaublich stinkendes Kuhfell, das strategisch zentral in einem Holzkobel vor sich hin rottet. (Zumindest behaupten sie, es sei nur eine Haut. Nach dem Geruch zu schließen steckt da noch die halbe Kuh darunter – und die Sonne heizt drauf.)
Der angsteinflößendste Auftrag des Tages ist, dieses Kuhfell umzudrehen (auf dass es umseitig trockne). „You may want to do that, before you leave ...“

Die Farm

Nach einer weiteren guten Nacht am Fluss geht’s bei prallem Sonnenschein zur Farm. Spannendspannend. Man weiß nie, was man kriegt. Schon von der Zufahrt aus fällt uns eine Art heruntergekommener Wohnwagenpark auf, besser gesagt, zwei. Die da in der Gegend stehen, zwischen Bäumen, umgeben von Planen, Paletten, Teppichen und Plastikzeug. Hm.
Das Haus selbst liegt hölzern und wunderschön auf einem Sattel zwischen zwei Hügeln. Vorn und hinten sieht man in diverse Täler – nicht schlecht!
Halb zehn wäre eine gute Zeit, um aufzutauchen, meinen wir. Unser Host schläft noch. Ist erst nachts von Wellington zurückgekommen. Tjo.
Na gut, wir nehmen mal die „separate Lebenszone für Wwoofer“ (das sind wir) in Augenschein. Da geht’s einen veritablen Hügel rauf, oben steht ein uralter Planwagen. Daran schließt sich die zweite Wohnwagengruppe an. Wir sollen uns einen aussuchen, hieß es. Tjo. Hat alles schon bessere Zeiten gesehen. In einem gibt’s Ameisen, der zweite murchtelt, der dritte ist zugemüllt ... die Entscheidung ist leicht gefällt – wir bleiben im Van.
Zumal kommt uns das A) nicht so wahnsinnig gastfreundlich vor, die Wwoofer so weit abzusondern – wir sind schließlich zum Kennenlernen da – und B) auch etwas traurig, denn offensichtlich hat’s hier mal Granada gespielt vor lauter Wwoofern in insgesamt fünf Wohnwagen. Schade, dass außer uns niemand hier ist (war aber auch angekündigt). Nun haben die Mäuse das Regiment.
Aber das hat seine Gründe. Unser Gastgeber lebt mittlerweile allein (mit Sohn), ist chronisch krank und kann selbst nicht mehr zupacken.

7.12.2009

Heut müssen wir wieder raus in die Stadt – Mr. Schaf hat nix gefangen und wir müssen essen. Das beschert uns ein himmlisches Eis – ein richtiger europäischer Eisbecher in einem richtig netten, europäischen Gastgarten. Toad Hall heißt der Schuppen. Verkauft auch Biogemüsen und hat richtige, europäische Torten in der Vitrine. Wow.

Coming Close

Nikolaus: Heute wären wir auf der Farm angesagt, aber unser Host ist in Wellington, so haben wir’s auf achten verschoben.
Der Aufstand ist noch trocken, gottlob, aber dann geht’s los. Regen schon wieder. Wir fahren zurück ostwärts Richtung Takaka. Kehren ausgiebig im Wholemeal-Café ein, während dieses wunderschöne Land einmal mehr an seiner Grüne arbeitet. Es ist halt noch nicht Sommer.
Vier Stunden später sind wir satt, sediert und unsere Geräte voll aufgeladen. Versuchsweise überqueren wir den Takaka-Hill (eine Wetterscheide?) und fahren bis Motueka. Unser Visit im Cobb-Valley fällt aus: da müsste man was sehen und die Wolken hängen noch immer tiefst.
Aber siehe: Im Big Mama Café in Motueka klart es auf. Heute war hier A&P-Show, also so was wie ein örtliches Landwirtschaftsfest mit Riesengemüsen-Schau und allem Schlimmen. So was wollten wir schon immer mal sehen, haben wir leider wieder verpasst.
Trotzdem wird’s nett beim Bier und Abend. Obwohl wir nun einen Tag zu früh dran sind, fahren wir schon mal rein ins Motueka Valley, Richtung zu unserer Farm. Am Weg kaufen wir bei einem Weinbauern ein. Der erste Pinot noir, der uns so richtig schmeckt! Ein sehr pastorales Tal ist das Motueka Valley – kaum mehr urwüchsige Bäume leider, aber als Farmland recht idyllisch. Der Weinbauer ist natürlich ein Fischer und gibt Herrn Schaf einen Tipp, wo er heute noch reinhauen könnte. So geschieht’s und der Tag endet bei passabler Laune.

Sandfliegen, Schlaglöcher, Schluckauf

5.12.2009
Aber: Für Krampus sagen die Regen-Isobaren, -meren (oder sonst was) nichts! Voll aufgetümmelt (wie Doderer sagen würde) beschließen wir, die erste Tagesetappe des berühmten Heaphy-Tracks – oder einen Teil davon – in Angriff zu nehmen. Unsere Hosteless macht uns aufmerksam, dass wir auf den 30 km zum Start drei Furten zu überwinden haben. Mit dem Auto. Sie telefoniert kurz nach dem Wasserstand (der historische Friedhof enthält nicht wenige Ertrunkene) und meint, „0,5“ sei o.k.
Ein halber Meter?!?!
Nun ja. Es geht, wie man sieht.
Mann sind wir gut drauf. Es ist schön Wetter! Höchste Zeit, dass wir unsere fetten Schoki-Bäuche abarbeiten. Haben wir ja noch gar nicht erwähnt: In Collingwood ist die zweite Schokoladengröße stationiert – Rosy Glow. Siehe süßes Foto. Die arbeitet allerdings eher mit Holzhammer. Extra-zuckrig, diese Riegel, da grummelt’s im Bauch schon gleich beim Reinbeißen ... puh puh.
Na, und deshalb eben, auch für den gestrigen Nichtmarsch als Ausgleich gleich zwei Tagesetappen auf einmal. Zum Starten kommen wir um halb 12, geplant sind 4 Stunden aufwärts, dann eine halbe Stunde Pause und dann zurück. Tageslicht hat’s hier ja zum Glück schon recht lang, da scheint einem um 8 Uhr abends noch die Sonne ins Gesicht. Ja und der Track ist wirklich witzig: Ansteigend ja fast gar nicht, errechneterweise geht man 20 Meter weit, bis man einen Höhenmeter macht. Das führt dazu, dass wir nach 3 Stunden 20 (statt 4) beim Aorere-Shelter ankommen, weil wir gar so rennen. Die Beine spürt man allerdings schon, es waren schließlich bislang 14 Kilometer.
Eine halbe Stunde weiter gäb’s aber einen Aussichtspunkt. Frau Schaf bettelt. Na gut. Wir machen’s. Steigen von ganz anfangs hundertundnochwas auf die vollen 915 Meter, den höchsten Punkt dieses mehrtägigen Tracks. Der Ausblick ist wirklich großartig. Total die weiteren 40 Minuten wert. Nur: Andere wandern jetzt locker die maximal halbe Stunde weiter zur Hütte und Nachtrast. Wir gehen wieder runter.
Um sechs Uhr abends machen sich die Bein-Aufhängungen der Frau Schaf schon wirklich, wirklich bemerkbar. Die Blasen-Ansätze an beiden Füßen detto. Die Zehen stoßen sich an den Steinen, weil die Schuhe zu groß. Mannmann. Noch eine Stunde sicher.
Wie sich herausstellt, läuft’s aufgrund der geringen Steigung runter überhaupt nicht schneller. Wir sind ja rauf schon so gerannt. Es wird wirklich 20 Uhr und ans Ehrlose grenzende Humpeln shesheeperseits, bis wir wieder am Van sind. 32 Kilometer. Jemand schon mal eine Blase am Großzeh-Innen-Nagelrand gehabt? An der sich der Nagel der zweiten Zehe reibt? Aaagonie!!
Aber was sind wir fit!

Erste Schritte barfuß im kühlen Gras – ein Segen. Hesheep hat Schluckauf und mosert wegen angeblicher Sandfliegen hier. Will lieber wieder rausfahren als hier übernachten. Na gut. Nur sieht das so aus, dass er synchron erstens aufs Gas tritt, damit wir beizeiten wohin kommen, zweitens (und daher) zu tun hat, Schlaglöchern auszuweichen – was manchmal im letzten Moment, manchmal gar nicht gelingt –, zumal er drittens wie wild mit der bloßen Handfläche Sandfliegen auf der Windschutzscheibe ausknockt und viertens zwischendurch vom Schluckauf erschüttert wird, dass mir ganz anders wird. Die frauschäfliche Pein endet erst am historischen Friedhof von Collingwood, wo wir neben den Ertrunkenen schließlich zur Ruhe finden. Happy Krampus!

Shoppen und Sterben - vor 100 Jahren

Es war eine kalte Nacht. Trotzdem gibt’s noch den Viertelstündermarsch zum zweiten, kleineren der Kaihoka-Lakes. Auch ganz hübsch. Bevor wir abfahren, hält der einzige vorbeikommende Wagen vor unserem Van und ein älterer Herr fragt uns nach der nächsten Umkehrmöglichkeit. Er ist mit Frau und Wohnwagen unterwegs. Beim Reden kommen wir dann drauf, dass er auch Österreicher und vor zehn Jahren nach NZL ausgewandert ist. Tja, die Welt ist klein. Und wir Ösis finden überall hin.
Aber, wie gesagt, es war eine kalte Nacht. Und jetzt ist mal eine Wärmestube fällig. Und leider – schon wieder – ein Hostel. Shesheep kämpft mit Halsweh, das der bewährte Rachenspray nicht mehr ganz klein kriegt.
In Collingwood werden wir fündig – allerdings ist es hier nicht ganz so gemütlich. Der an sich tolle Holzboden ist recht kühl und hören tut man jedes Wort vom benachbarten Aufenthaltsraum. Naja. Duschen kann man.
Weil sich das Wetter über Mittag etwas bessert, versuchen wir es noch mal: Fahren ins Aorere-Tal, wo es eine zweistündige Wanderung gibt, gleich hinter dem Geschäft, das alles verkauft, was man aus Possumhäuten machen kann: The Naked Possum. Der Gerber ist ein Deutscher. Als wir, im Shop unfündig, zur Wanderung aufbrechen wollen, beginnt es wieder zu regnen. Ächz. Na gut, dann zum historischen Langford-Store in Bainham, eine Wellblechhütte, die wirklich noch ganz nett den Flair der Jahrhundertwende in dieser Gegend erhalten hat, ohne zu viel Kitsch.
Dann retour nach Collingwood – es hört einfach nicht auf. Zwei Mini-Ortsmuseen und der historische Friedhof geben noch ein bisschen was her. Es folgt der Woody-Allen-Film mit meinem Lieblingszitat: „You know – it’s like anything else.“ und das war’s dann für heute. (shesheep; mit Einschüben von hesheep)

Selbstauslöser

Zur geschätzten Kommentatorin Birgit: Lebendes Possumfoto mit uns und Selbstauslöser - wir arbeiten dran!

Kaihoka Lakes

Derart auf Kälte vorbereitet fahren wir zur Nachtruhe an die Kaihoka Lakes. Der Wind lässt hier (wo sich Possum und Schaf im Winterpelz Gute Nacht sagen) leider kaum nach, sodass wir den Sonnenuntergang in der Ferne nur mit Zähneknirschen bzw. schnatternd betrachten können. Zum Glück haben wir vorsorglich eine Flasche „Tullamore Dew“ besorgt. Nastarowje!
(hesheep)
Shesheep dazu: Wirklich nettes Fleckchen, hat man mal eine windgeschützte Stelle gefunden. Rund um den Mini-See wachsen eine Menge Nikau-Palmen, was das Ganze tropisch wirken lässt. Dahinter liegt, als Kontrast, grünes Weideland der umliegenden Farmen.

Ah ja, weil’s grad passt: Hier verkünden wir den Einsendeschluss für den Tiernamen-Filmtitel-Wettbewerb. Vielen Dank für alle Zusendungen! Gewonnen hat ...
Geben wir nach Ende der Nachfrist für Einsendungen bekannt: Bis 12.12. geht’s noch!

Wasserpups & Windsweeps

Unergründliche Mama Erde! – Misses „Mal-So-Mal-So“! (siehe Sandys Superhelden-Name in der Sponge-Bob-Folge mit dem „Super-Bekanntenkreis“). Eben noch akzeptabel warm, sprudelnd und unglaublich, dann wieder bonecrushing windy, sandig und ... genauso unglaublich. Gesehen heute: 3. Dezember 2009, 9 a.m. bis 9 p.m.

Pupu Springs macht seinem Namen alle Ehre. Als eine der größten Frischwasserquellen der Welt (die größte im asiatisch-ozeanischen Raum) befördert sie 40 Badewannen voll Wasser pro Sekunde an die Erdoberfläche. Resultat ist ein Fließgewässer von der Breite des Steyr-Flusses. Unvorstellbar. Fließt einfach los. Leider geht das nicht gut auf’s Foto, aber die Tatsache bleibt. Schlaft einfach mal drüber :-)

Wharariki Bay, nah am nördlichsten Punkt der Südinsel, hingegen ist wohl der zugigste und sandigste Ort, den wir je bereist haben – Wahnsinn. Unendlich viele Fotos werden hier geschossen – alle mit derselben Aussage: nördlichster Punkt der Südinsel, zugig, sandig – Wahnsinn.
Nachdem wir uns erst mal nicht aus dem Auto trauen vor lauter Zugigkeit (shesheep: Der Van wackelt von den Böen!), wandern wir schließlich mit Spezial-Anti-Wind-Beschichtung zum Strand und genießen die Aussicht auf die vorgelagerten Riesenfelsen mit Coves (dodenlange Löcher da durch). Derweilen peitschen die Roaring Fourties (= Wind in diesen Breiten! Sind sie das schon?) den Sand bis in Hüfthöhe an uns vorbei Richtung Meer. Wahnsinn, wie schon gesagt.

Kletterer mit Kabeln

Die Canaan Road führt uns zu einem Herr-der-Ringe-Schauplatz: nach 8 km auf graveled road (die Hälfte davon marschieren wir, weil plötzlich gefährlich scheinend) (shesheep: weil Abgründe, Nebel und Riesensteine) mähen uns die Schafe von jenem schönen Stück Neuseeland entgegen, an dem die vier bekannten Hobbitse gemeinsam mit Aragorn Abschied von Bree genommen haben. Sensationell, die scenery. Drei Österreicher im Kleinst-Van nehmen uns wieder mit raus zum wartenden L-300.
Den folgenden Ausflug im Paynes Ford Scenic Reserve bezahlen wir bitter mit einer leeren Baterie (hesheep hat das Licht brennen lassen), doch zwei nette, gerade vom Rock-Climbing kommende Engländer helfen uns mit ihren Jump-Starters aus und alles ist wieder gut. Es läuft ja wirklich nicht schlecht. Alle Widrigkeiten, die auch nur im Ansatz auftauchen, lösen sich in Wohlgefallen auf und verwandeln sich in benefits. Denn die Engländer treffen wir abend wieder im Wholemeal-Café in Takaka und trinken mit ihnen auf Good Old England. Na ja, jedenfalls trinken wir ...
(hesheep)
Shesheep dazu: Sollte man nicht meinen – diese Kletterer. Dachte, das sind nur ein Haufen Hippies, die überall in die Büsche k... . Eh nett, aber sicher nicht toll organisiert. Dann haben die Starterkabel ... Tatsächlich hat uns das Missgeschick eines der netteren Gespräche bisher beschert. Wir sehnen uns schon nach der Farm, ein bisschen Normalität, Ausscheren aus dem Touristentross, der sich schon die Straßen entlangschraubt ... Kontakt zu Einheimischen.

Steile Stellplätze

Tja, die Stimmung sinkt ein bissl – zugegeben. Aber trotzdem gibt’s an den folgenden Tagen auch einige Höhepunkte, die sich hemmungslos spektakulär zwischen den einzelnen Fahrstrecken breit machen :-)
Zwischen den besuchten Cafés in Nelson (Kaffeerösterei), Takaka (Wholemeal) und Collingwood (Courthouse) liegt das Gebiet des Abel Tasman National Park (den wir ja später noch bewandern werden) mit wunderschönen Stränden (noch schöner, wenn Wetter schön). Auf dem Weg besuchen wir Beast Island, Kaiteriteri und Marahau. Größtes Abenteuer dieses Tages ist aber jedenfalls die nächtliche Übersiedlung an einen sichereren Stellplatz: shesheep – besorgt ob der unterspülungsgefährdeten Lage (Anm.: kein Fluß, kein Regen), schwerlidrig und wackelig – sichert Kazuki (und heshepp) und bringt beide bzw. uns alle drei einige Höhenmeter weiter direkt an der Höhenstraße unter, wo wir in der Früh von zwei übereifrigen Hähnen geweckt werden. Das Geschrei ist kaum auszuhalten, doch anstatt sie abzukrageln, fotografieren wir sie lieber – unsere Zivilisationskrankheit ist zu große Liebenswürdigkeit :-)
(hesheep)

Shesheep dazu: Ja, da hat er richtig geschrieben, der heshepp (sic!) – (Depp). Gemeint war das ganz anders: Er hat uns nämlich auf einer kurvenreichen, ansteigenden Straße mit seitlichen Abgründen geparkt (mit meiner Zustimmung, eingeräumterweise), und zwar auf so schrägem Grund, dass ein Auto ohne Gang und Handbremse durchaus wegrollen würde. In die dahinterliegenden Büsche, auf die dahinterliegende Weide – und von denen sind bei Gott viele steilst. Also, denkt sich das Frauschaf, hell erwachend um 3 Uhr morgens: Wie klug sind zwei Schafe eigentlich, ihren gesunden Schlaf der Handbremse einer 15 Jahre alten Schüssel anzuvertrauen?
Gebe zu, die Fahrverhältnisse bei beschlagener Scheibe waren auch nicht ganz ohne, und die Passhöhe mit kleiner Ausweiche war die einzige absehbare Möglichkeit (da geht’s auf beiden Seiten runter, juhu), aber immerhin auf ebenem Grund.
Als Dank ans große So-what (© Woody Allen) sammelt Frau Schaf am Morgen eine Menge Equipment saufender Jugendlicher von dem Plätzchen ein: Corona-Flaschen, Bierkartons, Mäcki-Frittenboxen ...

Hesheep dazu: Wir haben ein Auto mit Automatik UND Handbremse. Da kann nix wegrollen ...

Shesheep dazu: Oh, Technikglaubens-Erblindeter! Frag mal das große So-what ...

Muscheln – Meryl – Margeritas

Danach nimmt der Tag rapide an Highlights ab – eine Strecke, die man schon kennt, die nicht viel kann, an der man nicht viel machen kann. Einzelne Schlaglöcher erkennt man wieder. Bizarr. So geht’s durch nach Westen bis Nelson. An sich ein netter Ort – hat genau wie Gisborne die meisten Sonnenstunden Neuseelands ;-) – aber was kauft man sich drum, wenn’s regnet?
Da setzt man beherzt ein Kino an. Die Auswahl ist ein Graus. Werden tut es schließlich „Julie & Julia“ mit einer immerhin recht beherzt agierenden Meryl Streep. Wenn auch die Story nicht unbedingt der Heuler – ihre Figur war es schon wert.
Einen Qualitätssprung hingegen hat man in der örtlichen Cocktailstube gemacht: Zwar darf montags offenbar wirklich alles Dahergelaufene auf die Bühne klettern und miteinander „jammen“ (ahem), aber die Cocktailmixerin aus San Francisco hebt uns in Margerita- und Long-Island-Icetea-Himmel, von denen vorher nicht zu träumen war.
Übrigens stoßen wir irgendwo in Nelson jenen Teebeutel von der Stoßstange (ist eher ein Hirschfänger, das besagte Foto gibt’s vielleicht eh her), den hesheep am Kenepuru Sound dort abgelagert hat.
(shesheep)

Des Pudels Kern

Mo, 30.11.: Bei Erwachen schon eher regnerisch. Das Herrenschaf kocht Tee. Das Frauenschaf schmeißt sich ins Batmankostüm. Soll heißen warme Schaf-U-Gatte, vulgo Merino-Legging, und extradickes Merino-Shirt, beides in schwarz. Der Tag kann kommen, die Heldentaten sind vorprogrammiert.
Unser anvisiertes Highlight heute ist: Muschel-Essen. Bei den Muscheljungs in Havelock. Das Geschmackserlebnis ist ... wie soll man sagen ... zunächst einmal sollte man sich nicht vorstellen, was man im Rahmen so einer ganzen Muschel in sich reinstopft. Die Innereien. Das Gekröse. Die Weichteile. Und dann sollte man keinesfalls, wirklich unter gar keinen Umständen – reinSCHAUEN!
Das ist es, was das oberneugierige Weibsschaf tat. Moral: Ob Schafe und Muscheln füreinander gemacht sind?
Nein, war eh o.k. Mit viel Knoblauchbrot haben wir alle bis auf drei runtergewürgt. (shesheep)

Sexskandale auf der Bodenplatte

Neuer Tag, neues Glück: Strahlend schön und heiiißßßß – juhu! Während unsere Wäsche im Hostelgarten fertig trocknet, erkunden wir flipbefloppt den Hafen und die Waikawa Bay, mit geschnitzter Maoristatue und ehemaligem Pa (Maori-Festungsanlage). Es ist Sonntag und der Q-C-Drive so schön, wie er gehört. Wir picknicken, mit Köstlichkeiten und Enten.
Allerdings macht das Wetter heute einen Fenstertag: Danach sind wieder drei Tage Regen angesagt. Drum sagen wir schweren Herzens fürs erste den geplanten Queen-Charlotte-Track über die Fjordhügel ab und fahren ein Stück den Kenepuru-Fjord raus. Weil Herr Schaf sich nun am Strand auch noch eine Zehe aufschneidet, macht Frau Schaf ihr Ehrenstück am Track, einen kleinen Rundgang von zwei Stunden, allein.
(shesheep)



Heute, im hellen Sonnenlicht, wird übrigens das Gelsenrätsel einer Lösung zugeführt: Wir stoßen wir auf die beiden ca 1 cm durchmessenden Bohrlöcher im Unterboden, durch welche wohl die Sitze montiert waren. Zwei gut bemessene Stücke des New Zealand Herald, mehrlagig, sollen solche Vorkommnisse in Zukunft unterbinden respektive abdichten. Ist sowieso ein Käseblatt. Überhaupt schreiben alle Zeitungen nur von Sexskandalen, Vergewaltigungen und Unfällen. Politik kannst mit der Lupe suchen.
Schlafplätzchen ist heute ein Kurvenschotter mit hübschem Fjord-Rundumblick. Die Wolken ziehen dramatisch herum, während wir wegbüseln.
(shesheep)

NZ arbeitet an seiner Grüne

Ja, jetzt simma ein bissi hinten, blog-einstell-mäßig. Waren aber auch nicht grad Gemmen des Glücks, über die man berichten hätte können ... Irgendwie halbert, die Tage. Die Überfahrt verregnet und kalt und lustlos, bei Ankunft mal gleich ins Café bei flösselndem Regen. Einige Regenstunden später die Entscheidung des Frauenschafs, da nicht durchzubeißen, sondern ins Hostel einzuladen. – Herrlich!
Der Queen-Charlotte-Drive, der aus Picton raus und an unzähligen Büchtelchen vorbeiführt, ist für Regen doch zu schade.
Nach etwas Suchen eine wunderbar trocken-warm-freundlich-ansprechende Herberge gefunden, mit tollem Ausblick über einen beschaulichen Pictoner Hafen (daher der Name Bayview Hostel). Eine heiße Dusche und einen (mitgebrachten) Woody-Allen-Film später sieht alles schon ganz anders aus. Katze haben sie auch. Und Herr Schaf tritt nur um ein weniges fehl, als er unsere Abend-Nudeln mit viel Knoblauch zubereitet: Die Nase der Gastgeberin zuckt.
(shesheep)

Who is Mr. Mike?

Unser werter Kommentator Joma wollte wissen, wer „Mr. Mike“ auf unserem Auto-Foto sei: Die Auskunft kann gern erteilt werden. Es handelt sich bei Mr. Mike um eine legendäre Figur der Region, einen Possum-Killer absonderlichen Ausmaßes. Nachdem er in einer nebligen November-Nacht des Jahres 1969 mit seinem aufgemotzten Geländewagen über 137 Tiere erlegt hatte, rottete sich der verbliebene Rest zusammen, überraschte ihn im Schlaf und nagte ihm die Kehle durch. Seither geht Mr. Mike wieder, genau genommen, seine Leiche verschwand nahe der abgelichteten Bergwand – die Locals nehmen an, er lebt nun im Berg wie der Kaiser Karl selig im Untersberge zu Salzburg – und wie von verängstigten Travellern berichtet, erscheint er alle 40 Jahre wieder in nebligen November-Nächten und zeigt anklagend seine offene Halsschlagader, bettelnd, man möge selbsthändig seine Mission fortsetzen und Possen erlegen was geht. Grusel. Graus.

Infohappen

Sind gerade in Collingwood an der Golden Bay (Nordspitze Südinsel) in einem Hostel abgestiegen (Summerset House). Berichte zu den Aktivitäten der vergangenen Tagen folgen in Kürze :-)
Und zur Orientierung: Collingwood ist ungefähr hier (Roter Punkt im Bild)
(hesheep)

Schlucht & Schoki

Fr, 27.11.
Da fällt es nicht allzu schwer, am Morgen die mehrstündige Schluchtwanderung zu canceln, zumal sie noch weiter weg vom Fluss verläuft als die Autobahn. Da genügen ein paar Fotos von der Straße aus. Schließlich müssen wir nach Wellington, weil für morgen, Samstag, früh die Fähre zur Südinsel gebucht.

So stechen wir kurz im Kaitoke Regional Park (dem Wasserreservoir für Wellington mit Fluss und tollen Bäumen) rein, frischen unsere Fertigkeiten beim Furten von Bächen auf, machen uns aber bald wieder auf den Weg, weil Windstärke enorm und Shoppen schließlich auch ein Grundbedürfnis, nicht nur Wald und Wasser.
So geschieht’s dann, dass wir – shesheep um vier Halstücher, zwei Taschen, einen Gürtel und ein Shirt reicher (alles vintage natürlich) – auf unserem angestammten Plätzchen auf halber Höhe der Scorching Bay, am äußersten Spitzelchen des äußersten Wellingtoner Halbinselchens mit Blick auf die spiralige Hafeneinfahrt noch bei Tageslicht die neuesten Blogs und letzten Vorhangnähte erledigen, bevor der (gelsenfreie!) Schlaf uns dahinrafft.
Das Wetter spielt sich derzeit dergestalt ab, dass man beispielsweise 70 Kilometer oder 3 Stunden nach einer wollhaubenkalten Nacht in Manawatu, angeregt von der Sommerhitze in Greytown ein Tässchen Erdbeeren erwirbt, die man im goldenen Abendlicht zum Weißen zu Schmausen gedenkt, um sich dann im kalt-windpfeifend-bedeckten Wellington eher eine heiße Suppe zur Nacht zu wünschen ...
Es waren aber auch kilometerreiche Tage, MannMann. Das wird nun anders, denn wir halten uns nun tatsächlich einen Monat (!) im Norden der Südinsel auf. Sollte das Wetter entsprechen, wollen wir auf den Queen Charlotte Track nahe Picton – ca. 4 Tage. Danach könnte man die Golden Bay bis ganz nach Westen genauer erkunden, weil vor zwei Jahren schlechtes Wetter. Und ab 8.12. steht die Farm nahe Motueka an, bis wir von 20.-26.12. den Abel-Tasman-Track durchwandern.
Was wir in Greytown übrigens auch gekauft haben (nach ausführlicher Verkostung): Sechs Tafeln exquisiter Gourmet-Schokoladen von Schoc Chocolate – unser neuer Favorite: Meersalz. Die, wurde uns gesagt, ist zum Sekt gemeint und das ergibt ja durchaus Sinn. Des Weiteren gibt’s für uns: Geranium (mit Rosenduft), Weiße Zitrone, Basilikum, rosa Pfeffer und Java, eine helle Milchschokolade. (shesheep)

Wairoa, Napier - und das Mitternachtsduell!

On the road again. Und es ist heiß, mörderheiß. Aber wie singt schon Peter Licht so richtig: „Die Sonne kocht auch nur mit Wasser. Die soll sich nicht so aufspielen, die gelbe Sau. Und der Himalaja, da kann ich mich drüber aufregen, der alte A... . Sau.“ (Zitat aus: Lied gegen die Schwerkraft). Es gibt hier zwar keinen Himalaja aber die zurückliegenden Höhen waren ja auch nicht schlecht. Über Wairoa geht’s also weiter nach Napier. Dann vorbei am Cape Kidnappers mit seiner Gannet-Kolonie (siehe Hobbitsearcher-Blog von 2007). Hastings und Havelock North lassen wir ebenso links liegen wie das berühmte Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu, das gerade für die Darstellung in deinem Browser viel zu lang ist :)
Gerade richtig zur Essenszeit erreichen wir das Monckton Scenic Reserve in der Nähe von Onga Onga. Ein schönes, einsames Fleckchen, wo wir unsere Tomaten, Rindswürste und Camemberts genießen um dann im nahen Creekbächlein unsere von der Reise geschundenen Körper reinzuwaschen (Fotos hiervon wurden bereits von shesheep konfisziert).
Weiter geht’s Richtung Süden, an Wiesen und Weiden entlang, die vor lauter Schafen und Kühen aus allen Nähten platzen. In Dannyvirke (ortsein- und -ausgangs ein holzgeschnitzter Wikinger) schließlich nehmen wir auch schon wieder unser Abendessen: Angusrind-Steaksandwich. Ein Gedicht. So zart. So saftig. Und dazu handmade Fries. So cross. So handmade. Und natürlich ein Glas NZ-Bier. So kühl. So Dusel. Und wir können’s brauchen. Nur so überstehen wir den Abendbeginn am Ostende der Manawatu Gorge mit zwei Dutzend Mücken im Van. Kurzerhand ziehen wir um: Die Nacht verbringen wir doch lieber am Westende mit ohne Mücken. (hesheep)

Shesheep dazu: Obwohl am Westende der Schlucht eingekeilt zwischen Eisenbahn und Autobahn (beide nachtaktiv) ist gelsenfreier Einschlaf all das wert. Prekär wird’s allerdings zur Mitternacht, als ein fett dröhnender abgesägter Auspuff in unseren Parkplatz einfährt. Monströs röhrlnd im Bass, dabei hinterfotzig flach gebaut. Sich uns gegenüber aufstellt. Frontal. Provokant in unser Vanlein auf- und einblendet (der Vorhang hält stand, wenn auch mit Mühe). Den dreckig spotzenden Motor aufheulen lässt wie zum Duell. Frau shesheep erblasst, Herr hesheep versteckt seine blasenfunktionsgefährdende Panik unter schläfrigem Gegrummel. Die Situation spitzt sich zu ins Unerträgliche. Der Fremde starrt uns an. Kazuki zittert, aber er hält Stand. Hält stand. Hält stand. Nicht umsonst hat Frau shesheep in langwierig-liebevoller Handarbeit seine Abwehrkraft gestärkt, in Form von dunklenbraunen Satinvorhängen, teilweise doppelt genäht. Der andere blendet ab, heult ein letztes Mal entnervt auf und fährt weg.
(shesheep)

Ngamoko, der Unbezwingbare


Wozu uns der Schmaus hernach befähigen soll, ist ein zweieinhalbstündiger Aufstieg auf den Ngamoko. Der Track führt, laut Führer, durch „dichten Urwald“. Mhm. Vorgestellt war dazu ein Weg mit links und rechts dichtem Urwald. Sein tut es so gut wie kein Weg, sondern hin und wieder orange Pfeile durch den dichten Urwald, durch den WIR uns zu kämpfen hatten. Durchaus un-ausgetreten, der Pfad. Zudem kommen Steilstufen und abrutschende Stellen, wo unmittelbar daneben der dichte Urwald nur unzureichend die Senkrechte verdeckt.
Der aufmerksame Wanderer kann jeweils die Punkte bemerken, an denen frühere Wanderer umgekehrt sind: der Nicht-Weg wird noch verwachsener. Bis ganz oben haben es aus der nördlichen Hemisphäre sicher nur wir geschafft. Und das war ja auch das Ziel. Oben steht ein Sender. (shesheep)
Unsere müden Wangen betten wir wiederum am Shawna-Gewässer, dem Lake Whakamarino am Örtchen Tuai, diesmal allerdings gröblich belästigt von Gelsen, die durch geheimnisvolle Umstände zuhaufen ins Gefährt gelangen.
(shesheep)

Lake Waikaremoana

Ja, ja, jam jam – oder yumyum, wie sie hier sagen! Aber vorher haben wir noch einige Prüfungen zu bestehen. Schließlich kann man so ein Monster von Fisch nicht um 7 Uhr morgens einwerfen. Daher ein paar Kilometer weiter zu unserem eigentlichen Ziel im Herzen des wilden Te-Urewera-Nationalparks, dem Lake Waikaremoana, was auf deutsch ungefähr so viel heißt wie „See, wo der Mörder-Wind das mörder-schwarzblaue Wasser aufpeitscht“. Und das tut er.

Los geht’s mit einem 45-Minüter zu Lou’s Lookout (von dem’s uns eh fast runterweht). Für den ausgetreteten Pfad des Great Walk um den See mit Aufstieg zu den Panekiri Bluffs sind wir uns zu gut, da schauen wir die vorstehenden Klippen lieber von gegenüber an.

Am Aniwaniwa Visitor Center liegt ein leckerer Rundgang mit mindestens drei leckeren Wasserfällen, und dann geht’s an die Zubereitung vom Shawna-Fisch. Tatsächlich bringen wir nur den Mittelteil weg, aber den gefüllt mit Knoblauch und Thymian und anbeigelegt rote und gelbe Kumaras (Süßkartoffeln). Die üblichen stammhirngesteuerten Dankbarkeitsgefühle dem Ernährer gegenüber lassen Frau shesheep den Herrn hesheep anschließend seinen verdienten Mittagsschlaf ratzen, während sie selbst pietätvoll den Fischkopf begräbt. Das hintere Ende wird entsorgt, nachdem man abends erkostet, wie kalter Fisch schmeckt. (shesheep)

Ihr letztes Frühstück

Alte Weisheiten bestätigen sich halt doch manchmal: Willst du Fische fangen, dann mach das bald in der Früh, wenn sie noch nicht „ausschauen“ können. Da heißt es für Otto Normalfisch dann Fressen-fressen-fressen, bevor dir ein anderer was wegschnappt. Und da wird dann nicht so genau hingeschaut. So geschehen heute um 6 Uhr Früh. Da war sie auch schon dran: 47 cm lang. Gerade noch klein genug, um als einmalige Mahlzeit für she- und hesheep durchzugehen. Das Schaf an sich ist ja kein Fleisch- oder Fischfresser, aber wir bilden da die Ausnahme :) Um aber auf die Umstände einzugehen: Ufer: Bäume und Schilf (schwierige Wurfbedingung) | Algenbewuchs: 10 Meter (schwierige Einholbedingungen) | Angel: 250 cm | Blinker: 22g | Regenbogenforelle: 47cm (weiblich) | Name: Shawna. (hesheep)

24.11.2009

Another day on the run. Und los geht’s! Wir wollen schließlich zum Te Urewera Nationalpark – da geht’s so richtig wild zu. Da schei...t dich an! Und ja keine Wertsachen im Auto lassen, wennst schon mal wandern gehst. Und das Auto lässt besser auch gar nicht erst wo stehen! Aber das Sorgen-Machen hat ja auch noch Zeit :)
Jetzt fahr’n wir erst mal Richtung Süden. Vorbei an Young Nicks Head (Foto 1; hier hat Captain Cook seinen Kabinenjungen verewigt, der unfreiwillig mit an Bord war und hier als erster vom Ausguck aus Neuseeland gesehen hat). Da kann man aber schwer raus und die Zeit hamma heute nicht.
Aber vor Wairoa gibt’s da eine Halbinsel, die einiges kann: Mahia, heißt sie und wenn man da wohnt, hat man automatisch einen eigenen Strand vor der Haustür. Jeder nämlich einen kleinen ockerfarbenen. Vater Natur hat’s nämlich so eingerichtet, dass die felsigen Vorstrandausläufer schräg gerippelt in den weichen, warmen Sandstrand dringen (siehe Foto, hier leider ohne viel Sandstrand). Traumhaft da. So wünscht man sich’s ...

50 Kilometer und einen Großeinkauf an Fressalien weiter machen wir uns auf die Suche nach einem sagenumwitterten Stausee, der tief in den Bergen von Te Urewera liegen soll. Hier wolln wir heute übernachten und komme, was wolle, das tun wir auch. Da stören weder Gravel Road noch kilometertiefe Abhänge, die rechts oder links (je nach Hanglage) vom Kazuki gähnen. Und wirklich, die neuseeländische Regierung bzw. die Elektrizitätswerke haben hier – mitten im Nirgendwo – ein Dorf mit See hingestellt. Der gute Zweck kam im Nachhinein, denn hunderte schwarze Schwäne machen hier Zwischenstation. Wir nehmen’s dankbar hin und genießen wieder mal unseren Gute-Nacht-Wein mit Cracker. (hesheep)

Shesheep dazu: Da handelt sich’s übrigens um denselben Wein. Was diese Leistung betrifft, werden wir auch schon alt ...
Und shesheep wirft ihre ersten drei Angeln aus (höflichkeitshalber), bevor das fischivore Herrenschaf das Gewässer weiter erkundet.

23.11.2009 - Die Hitzewelle ist da!

Wer nun geglaubt hätte, dass wir den Weg zurück und weiter zum Tauposee genommen hätten, der irrt. Nein, wir nahmen den Weg nach Nordosten über Opotiki zur Waioeka Gorge – eine Strecke, die nicht nur für tote Possums bekannt ist (siehe Foto; dieses wurde – wie auch schon das Possum im Possumbild von vor zwei Jahren – übrigens nicht von uns erlegt). Die sonst für seine „wilderness“ gerühmte Gegend verschleierte sich uns durch leichten, um alle Ecken kriechenden Nebel (Foto 2 im Abendlicht zeigt den Dunst nur mehr aus weiter Ferne, aus nächster Nähe allerdings die kulminierende Dunkelheit :), sodass wir es vorzogen, weiter gen Osten sprich Gisborne zu ziehen.
Gute Entscheidung, wie sich bald herausstellte: Hier kam der Sommer! Sushi, Sushi. Peng, Peng! :)

Nach einem genialen Abendessen im Hafenrestaurant (nebenbei gesagt, das beste und teuerste Lokal im Ort) übernachteten wir auf dem Ortsberg im Zentrum und mit Blick auf Meer und gegenüberliegender Küste. Und wieder mal wurden wir nach einem langen Kilometerfresser-Tag mit tiefem Schlaf gesegnet ... (hesheep)

22.11.2009 - Lake Tarawera

Neben heißen Quellen gibt’s in Rotorua-Nähe auch viele kalte, tiefblaue Seen. Die stammen natürlich alle auch aus derselben jüngeren Erdgeschichte und sind vielleicht gerade deshalb für die von den Europäern eingeführte Regenbogenforelle attraktiv. In diesem Sinne machten wir uns nach dem Geothermalabenteuer auf, um die Nacht an einem dieser Tummelplätze zu verbringen.

Zu diesem Zweck drehten wir die Runde im Südosten Rotoruas. Am Lake Tarawera schließlich ließen wir unseren Kazuki in einer „Recreation Area“ rasten und uns im Abendrot einen leichten Weißwein am Holzsteg des Sees schmecken. Zur Recreation warf ich meine Angel aus (für Insider sei gesagt, dass ich einen relativ schweren Jighead mit Gummischwanz!!! gebrauchte; siehe Bild) und – Schreck – eine riesige Regenbogen konnte nicht widerstehen. Allerdings hatte sie mehr Spaß als ich, denn nach ein paar meterhohen :) Sprüngen war sie weg und mit ihr mein Eintrag ins Jahresbuch der Monsterforellenfänger. Aber was soll’s, „Gleichmut“ ist mein zweiter Vorname. Dann eben „Good Fishing“ nächstes Mal.
(hesheep)

Shesheep dazu: Also die Sprünge waren bestenfalls unterwasserige – ich war schließlich dabei! Pures Angler-aramäisch ...

Totally Grisu

Obwohl wir uns nur mit Papierführer auf den zweistündigen Rundgang Schrägstrich Wanderung machen, kriegen wir doch die Maori-Begrüßungsperformance für die All-inclusive-Bustouris aus Australien mit – jah!

Von einem Gratwanderweg blicken wir zunächst in Vulkankrater, die heute friedliche Seen bergen, aber dann ... raucht’s aus der Seite der Berge und die Seen brodeln heiß.
Auf dem Bild bin ich, noch ohne Sonnenbrand. Das wird zwei Stunden später anders sein. Aber echt: Gestartet sind wir bei kühl-bedecktem Wetter, hoffend, dass es nicht regnet. Und dann das. Autsch. Zwischen Halstuch und T-Shirt-Rand liegt ein roter Ring, der sich so vulkanisch anfühlt, wie der Ring of Fire quer durch den Pazifik, der auch quer – respektive längs – durch Neuseeland führt und die Erdbeben und das Ganze da bewirkt.

Entstanden ist die Reihe von Vulkankratern und das ganze Waimangu-Tal erst 1886, als der nahe Mount Tarawera ausbrach und das Umland über zig Kilometer verschüttete, unter anderem eine Siedlung der Europäer. Etliche Menschen starben. Es ist die einzige Gegend der Welt, in der vulkanische Phänomene auf den Tag genau datierbar sind und seit ihrer Entstehung dokumentiert werden können.
Ein idyllisches Bächlein hat in Wahrheit 50 Grad, der milchig-blaue See heißt Inferno Crater und ist ein Säurebad von 80° C. Von Zeit zu Zeit steigen graue Schlamm-Massen auf, denn hier liegt ein Unterwasser-Geysir, der diesen See zur größten heißen Quelle der Welt macht.
Zwischen grellegelben Schwefel-Ausblühungen und in fulminantem Gestank bringt die Maori-Truppe dem Aussie-Bus noch per maximal kindischem Song bei, was Hinterteil auf Maori heißt. Surreal.

Am Schluss sind wir beeindruckt, aber auch erschöpft von der Schwüle. Vom Lake Rotomahana, den es auch erst 120 Jahre in dieser Form gibt, fährt uns ein Shuttlebus zurück. Höchste Zeit, unsere Mägen hängen schon in den Knien.

Nachtrag

P.S.: Ganz gratis war der Bett-Einbau doch nicht. Einen Schmatz, der gerade noch auf der Wange gelandet ist (puh!), musste ich erdulden. (shesheep)

Fußwasser, erdgewärmt

So, 22.11.
Für den Sonnenaufgang ist ein Blick zum Racecourse von Matamata geplant, wo angeblich täglich tausende Vollblüter zum Morgentraining durchgetrieben werden. Leider regnet es, also ist es auch mit den Pferden Essig.
Weiter nach Rotorua im geothermisch aktiven Zentrum der Nordinsel, zum warmen Füßewaschen im Stadtpark – das kennen wir schon.
Neu ist ein Abstecher ins vulkanische Waimangu-Tal: Da brodelt und dampft es, heiße Flüsse, Krater, Schwefel, Säurepools ... huh – doch davon ein andermal mehr.
(shesheep)

Hobbingen

So, nun aber raus! Frisch gestärkt mit einer frühmorgendlichen Cremeroulade (mit der Betonung auf Creme) steuert uns hesheep Richtung Osten, aus dem Drizzle (Sprühregen) der Westküste raus in wettersichereres Gebiet. Unser Ziel ist der Urewera-Nationalpark. Auf dem Weg schaffen wir es endlich ins Hobbitdorf Matamata, allerdings nehmen wir keine der Tours zum Drehort (30 Euro pro Person für ein paar in Hügel eingelassene nackte weiße Wände mit runden Löchern und eine dröge Schafschurvorführung – nein!). Aber latest breaking news: Gerade werden die Sträucher gepflanzt für die Dreharbeiten zum "Hobbit".







Stattdessen wandern wir zu einem 150 m (!) hohen Wasserfall, Wairere Falls genannt. Super Aufstieg eine Dreiviertelstunde durch den Farnwald – aahh (= tiefer Schnauf einwärts vom guten alten Waldgeruch Neuseelands).


Anschließend hüpft shesheep in ein unweites Thermalbecken, geschlafen wird am Village Green von Matamata in bewährter Nähe zu den öffentlichen Toiletten, die unseren Fleiß mit Warmwasser zum Haarewaschen belohnen. Nochmals aahh!

Wirbelsturm!

Na gut, am nächsten Tag (Fr) nehmen wir offiziell unser Auto in Besitz, ein Mitsubishi L300 Cyclone – ein Wirbelsturm an Kraft also. Wir nennen ihn Kazuki. Er muss sich unsere Liebe trotzdem erst ein bisschen verdienen. Als Baujahr 1993 sieht er nicht ganz so schick aus wie unser Akira, daher gibt’s noch nicht mal ein Foto (!).
Hesheep ist so halbwegs wieder beisammen, hustet und schnieft zwar, aber die konsequente Mercurius- und Schmerztabletten-Behandlung hat den üblicherweise einwöchigen Krankheitsverlauf doch auf drei Tage abgekürzt.
Anstrengenderweise gehört Kazuki noch geputzt, die Innenausstattung gekauft (Küche vor allem) und das Campingzeug. Gut, dass wir schon ein bewährtes Schlafplätzchen kennen: den Mount Eden mit feinstem Blick über die Stadt. Weil sich die frühlingshaft-kühle Abendtemperatur noch gar nicht nach outdoor-schlafen anfühlt, verschieben wir das Zähneputzen auf morgen früh.

Wo gehobelt wird

Nach dem gemütlichen Indoor-Tag Mittwoch geht es am Donnerstag für Frau shesheep ran an den Hammer: Unser Automann hat nämlich schon begonnen, das Untergestell für unser Bett zu bauen und da musste ich natürlich meine Hilfe anbieten. Die er wider Erwarten nicht ausschlug.
Holt mich ab, fährt noch ein Auto inspizieren und lädt mich zum Mittagessen ein (!!). Das spielt sich folgendermaßen ab, dass er (ein End-Vierziger mit grauem Schnauzer und Abneigung gegen die Grünen) mir von frischem Meeresfisch vorschwärmt, in eine Vorstadt-Gewerbezone einfährt, durch bunte Plastikvorhänge ein neonbeleuchtetes Geschäft betritt, wo totes Tierzeug herumliegt. Dort grabscht er drei Monsterfische, steckt sie in einen Sack, marschiert zur Pudel, wo sie fachgerecht aufgeschnitten und auf die Grillplatte geklascht werden. Die Teller werden mit Fritten befüllt, oben drauf kommen die (wirklich lecker duftende) Tierteile – ein Hügel Zeug. Und ab damit ins Auto, Motor an und auf den Highway. Natürlich isst Ken während des Fahrens, Schaltens, Redens ... WiederholungsleserInnen kennen das. Abgestellt wird der Motor erst Feierabend.


Nicht ungern lässt er sich auch im Baumarkt mit mir sehen. Eine Holzplatte, eine Matratze, Stoff für Vorhänge und ab zum Haus seiner Mutter, wo vor der Garage eine Menge Werkzeug und Holz herumliegt, darin die unvermeidlichen zwei Oldtimer des Autofanatikers.
Aber er macht das ganz gut und dass er sich die Arbeit überhaupt antut (natürlich umsonst), ist ja total nett. Da hält man ein paar Machosprüche aus – während Herr hesheep höchst unmännlich im Hostelbett herumliegt, statt mich zu beschützen oder zumindest werktätig von Nutzen zu sein ...!

Jetlag-Helden

Es ist übrigens schon ganz nett warm, vor allem wenn man aus dem europäischen November kommt und meint, man sollte ein paar Lagen tragen. Die Sonne hat schon eine irre Kraft. Nur der Wind fällt noch etwas kühl aus, aber von Australien her ist eine Frühlings-Hitzewelle angekündigt – juhu!
Unser geschätztes Hostel „Verandahs“ hat ausgebaut: Wir sind im neuen Haus nebenan, einer historischen Villa aus dem Holz des Kauribaums, liebevollst renoviert, mit Veranda auf jedem Stockwerk und Blick in die Baumkronen eines Parks. Der erste Tag hat uns mit Sonne begrüßt und wir waren auf ausgiebigem Spaziergang auf der nahen Ponsonby Road, der immer schicker werdenden Bobo-Lokal- und Boutiquenmeile.
Heute gab’s viel Wind und viele schräge Sprühregen – ganz das Richtige zum drinnen bleiben, zumal Herr hesheep sein Näschen zu hoch in den Wind gestreckt hat und nun mit Seitenstrang darniederliegt. So können wir unser Zimmer in den drei Tagen bis Freitag ausgiebig genießen, uns erholen – und euch schreiben.
Jetlagmäßig sind wir diesmal die vollen Bringer: Am ersten Tag erst um 18 Uhr schlafen gegangen, statt zu Mittag. Kann natürlich an den ausgiebigen Schlafmöglichkeiten auf der Reise liegen.
(shesheep)

NACHTRAG: Unter Murphys Jurisdiktion


Ja, da waren ja schon noch ein paar Worte fällig:
Begonnen hat alles mit Wind über London. Der hat schon den Start in Wien verzögert. Der Flug selbst war auch nicht ohne und eine so schwankende Landung hab ich überhaupt noch nie erlebt. Wenn ganz knapp über dem Boden die Tragflügel noch einen meterhohen Seegang haben – freut man sich, dass man wenigstens beisammen ist. Uff.
Deshalb ließen sie auch nicht mehr viele starten, an dem Abend. Nur, dass man uns das nicht gesagt hat. Die Tafel sagt „please wait“, und wir warten. Zwei Stunden. Bis es halb zehn ist, und alles zuzusperren beginnt. In einer Air New Zealand Lounge finde ich noch wen, der mir erklärt, der Flug sei ja schon längst abgesagt und die Passagiere etwa 10 Minuten, bevor wir (nach einer Ehrenrunde durch den Einwanderungscheck) in der Transithalle ankamen, in ein Hotel verfrachtet worden. Super.
Hier übernachten? Wär hart, zumal Frau shesheep schon eine Schlaflose hinter sich hat, wegen der Turbulenzen der letzten Tage. Wir sind versichert, aber wie hoch? Kriegen wir mit der doofen Internetverbindung hier nicht raus. – Egal, wir gehen raus. Erfahren die Hotelpreise und wollen wieder rein. Ist natürlich jetzt alles zu. Hunger haben wir auch. Also zurück zum Schalter und ins „Holiday Inn“. Wenn dann der Shuttlebus jede andere elendige Absteige zuerst anfährt und selbst eine Sch...-Hoteltür erst beim dritten Anlauf aufgeht, weiß man, man hat einen Lauf.
Bis wir schlafen, ist es zwei Uhr morgens. Wann wir weiterfliegen, ist völlig unklar. Kann genau 24 Stunden danach sein, oder noch später – man denkt an die Filme, wo amerikanische Flughäfen zur Weihnachtszeit überquellen, wo Leute sich die Stöckel ins Knie rammen für einen Platz in einer Maschine. Werden wir Tage in dieser unglaublich trostlosen Flughafengegend verbringen?
Aber nein, nichts dergleichen. Air New Zealand hat auch das im Griff: Zeigen Sie einfach Ihre gestrige Bordkarte her und sie sind auf unserem 14-Uhr-Flug.
Machen wir. Als erste in der Schlange. Im Jenseits soll man’s ihnen vergelten, diesen lieben, netten Leuten.
(shesheep)

Infohappen


17.11.: Mit dem Auto läuft’s gut: Haben heute, am ersten Tag in Auckland, schon einen Van besichtigt (unser Vertrauensmann war fleißig). Werden noch ein Bett und Vorhänge einbauen, sobald Eric gesund ist.
(shesheep)