Meter Meter

Update vom Samstag, 23.1., rückwärts: Haben groß Meter gemacht. Erst mal von Queenstown ruckzuck zum Schwerpunkt Nr. 3, landesinneres Hochland in der Südinselmitte. Einen schönen Abend am Lake Heron verbracht, fischend und fotografierend. Dann weiter ruckzuck an Christchurch vorbei, über das kleinere Rangiora nach Kaikoura – denn morgen, Sonntag früh queren wir schon wieder die Cook Strait und kehren also auf die Nordinsel zurück. Seit der Zweimonatsmarke riecht alles schon nach Abschied. Irre. Tröstlich wirkt wie immer unsere Lektüre, über die wir ja bisher noch gar kein Wort verloren haben: War es im ersten Monat der sehr delektable Heimito von Doderer mit seiner „Totalen Familie“ (Die Merowinger), das unser Hirn vom Schalten auf Energiesparmodus abgehalten hat, so ist es seither die regelmäßige Frühstücks- und manchmal auch Abendlesung von Egon Friedells „Kulturgeschichte der Neuzeit“.
(shesheep)

Re-Start

Die Nacht ist ein Idyll (auf Öl). Das Bier hat auch nicht geschadet, alles etwas _cruisy_ zu sehen. Ohne Kazukis Breakdown hätten wir es außerdem nie ins Kiwi-Haus geschafft – so können wir vermelden, nicht nur zwei Kiwis aus totaler Nähe (hinter Glas halt) beobachtet zu haben, sondern auch eine Tuatara-Eidechse (lebendes Fossil, quasi letzter Dinosaurier), und dazu ein Live-Possum, das uns wirklich erst im letzten Moment aus dem Selbstauslöserbild gehüpft ist!

Nach Rücksprache mit Carl wird die Sache doch umfangreicher: Der Startermotor war nur das Ende des Eisbergs, wie man (sicher) so sagt. Auch die Elektrik macht ihm Kopfschmerzen und er fordert einen weiteren Ersatzteil an, (alternator nennt er ihn), sprich schickt seine toughe Blondinenfrau nochmal zum Verschrotter.
Aber – 24 Stunden nach dem desaströsen Startversuch sind wir wieder on the road. Der gute Carl hat wirklich nur wenig mehr als den Einkaufspreis der gebrauchten Teile verrechnet und uns überhaupt gratis noch eine bessere Batterie aus seinem Fundus eingebaut. Damit passt jetzt aber wirklich alles, Anstarten tut Kazuki so eifrig wie ein Erstklassler beim Multiplizieren (tun die das?) und gekostet hat’s zwar nicht nichts, aber doch weniger als der verworfene Besuch im Doubtful Sound für zwei. Uffi, uffi.

„Carl will take care of you“

Doch dann biegt Carl um die Ecke. Carl ist cruisy. Später schlussfolgern wir, dass Carl, der „Mobile Mechanic“, vielleicht jeden Abend in Blaumann und bloßen Socken die Runde zu den anderen Werkstätten dreht und Übriggebliebene aufliest. Für uns ist Carl der Engel. Schleppt uns mal gleich rüber vor seine Quetsche, lässt das Licht brennen, den Fernseher an, zeigt uns das Klo und den Kühlschrank, sagt, dass das alles gar keine Sache sei, morgen früh gleich und teuer auch nicht und überhaupt sei es bei ihm ziemlich cruisy und man brauche sich keine Sorgen zu machen, das macht er uns alles in einem.
Alsbald zeigt er uns ein abgebrochenes Metall-Halbrund von sicher 10 cm Durchmesser: Das ist abgebrochen heute. Der Starter Motor (oder ein Teil davon).
(shesheep)

Rohrkrepierer 2

Doch das richtige Lowlight des Tages (oder vielmehr der bisherigen Reise) steht uns noch bevor: Nicht, dass der Pickerl-Check mehr ergeben hätte, als dass wir die Rücksitzgurte (mangels Rücksitz) entfernen müssen und unser Auspuff etwas stinkt. Nein, wir kommen von der Werkstatt gar nicht mehr weg. Der Kazuki macht beim Kabelstart krächzende, hochheulende, jammervolle Geräusche und am Ende gar keine mehr. Der Chef ist nicht amused, dass wir hier also quasi seinen Parkplatz belagern, bis er uns drannimmt (Donnerstag!?!?). Wir ebenso wenig. Das Ambiente ist genau so, wie man es sich von Automechaniker-Gewerbegebieten vorstellt.
Wir sitzen da, warten, dass man irgendwas unternimmt. Dass man uns zusagt, morgen früh ausnahmsweise dranzukommen. Was es kostet, ist uns überhaupt noch egal. Stattdessen machen sie einfach mal die Bude zu. Ja, schauen wir morgen mal weiter, brummel grummel.
(shesheep)

Rohrkrepierer 1

Als auch heute (Montag) morgen der Kazuki nicht von selber anspringt, ja selbst untertags nicht mehr anstandslos, reicht es uns und wir sprechen (erneut) bei der Queenstowner Werkstatt vor, die uns schon vor Tagen aufgrund der Arbeitsfülle keinen Termin geben konnte. Sie nehmen uns am Nachmittag dran, aber Zeit haben sie nur fürs (ohnehin fällige) Pickerl und einen Batterie-Check.
Zwischenzeitlich will Herr Schaf seine alte Schande tilgen und die Shotover Road runterfahren. Gesagt, getan.
Nu ja. Sie ist wirklich schmal. Sie hat ihre Steinbrocken-und-dahinter-Mulden und geht auch ziemlich bergab und von oben kommt offenbar immer wieder Geröll und die Randbefestigungen zum Steilhang sehen wirklich so erneuerungsbedürftig aus, wie das Mini-Straßenbau-Team vor Ort es soeben unternimmt. Nach einigen hundert Metern – sie gesteht es – ist Frau Schaf nur allzu bereit, umzukehren. (Denn zumindest das Warnschild „No turning for 6 km“ hat übertrieben. Stattdessen geht man zu Fuß das Tal runter, begegnet dem verrosteten Kadaver eines abgestürzten Autos ebenso wie den teilskelettierten Überresten einer abgestürzten oder sonstwie an gebrochenem Herzen verreckten Kuh (die roch durchdringender) und kehrt bei recht mühsamer Mittagsstechsonne auch hier auf halbem Weg wieder um. Ja, Shotover-Tal, bleibst du halt auf ewig unser Rohrkrepierer!
(shesheep)

Row your boat!

Zum fünften Mal, die Licht-brenn-lass-Malheure nicht mitgerechnet, kommen wir nächstmorgens ohne fremde Batterie nicht ins Laufen. Diesmal wieder Kiwis – zwei Familien in zwei Autos – die uns richtig mögen! Und wir sie. Aber da hat’s was, das ist nicht nur die Batterie ... wir spielen alle möglichen Möglichkeiten durch, ergehen uns in Spekulationen, kombinieren alle bekannten Fakten ... doch es ist Sonntag, der besagte supersonnige-endlich-mal-mehr-als-ein-Tag-Sommer-Sonntag der 17., an dem wir noch eine ausgiebe Ruderboot-Partie am Lake Manapouri unternehmen, wo Herr Schaf seine Angel, Frau Schaf ihr ganzkörperliches Selbst ins Wasser tunkt. Beide happy (zumindest, sobald man den Versuch aufgegeben hat, gemeinsam und also synchron zu rudern). Abends geht’s zurück Richtung Queenstown.
(shesheep)

Keine Gertrude - Eine Marianne!

Donnerstag, 14.1.: Es treibt uns an den südlichsten Punkt unserer Fahrt, nach Te Anau, also Richtung Milford Sound, der Hauptattraktion Neuseelands überhaupt. 7 bis 10 Meter Regen pro Jahr, doch die Sonne strahlt aus allen Knopf- und sonstigen Löchern. Hier wollen wir uns der ultimativen Challenge stellen: Nicht einer Wanderung, sondern einer „Route“, die hochalpin und unmarkiert ist und überhaupt schwerste Anforderungen an Orientierung und Fitness und Socken-Saugkraft stellt. Doch – Dämpfer: Der Gertrude Saddle mit angeblich herrlichem Blick auf den Milford Sound ist nicht offen zum Begehen. Es liegt noch viel Schnee oberhalb, weil es diesen Frühling so kalt war (nee, echt?) und daher Lawinengefahr. Oi.
Aber wie es so ist, man ist ja flexibel und tröstet sich mit einem weiteren der 100 Great Day Walks, und zwar zur Shallow Bay am Lake Manapouri, startend erst um halb sechs abends mit drei Stunden Gehzeit. So haben wir die Bucht für uns allein, einen extra-friedlich-stimmungsvollen Sonnenuntergang und beschwingt bis abenteuerlichen Gerade-noch-sichtbarer-Waldweg-Walk zurück zum Auto (anlangend: dreiviertel 11 – ob das am mitgenommenen Abendjausen-Weinderl liegen kann?). Im Übrigen haben wir uns durch das Tragen von Mützen gegen die nahe am Weg nistenden Falken geschützt. Fragt uns nicht, was das nützen soll, aber so steht’s auf Tafeln geschrieben.
(shesheep)

Wiederum ist am Folgemorgen ein Kabelstart angesagt – langsam wird’s fad. Wir kriegen ihn von einer deutschen Familie. Wiederum ist es bedeckt und wir machen einen wiederum gemütlichen Tag in Te Anau mit jenem Film (im Kino), der einen Hubschrauber-Rundflug über den Fiordland-Nationalpark ersetzen soll – immer wieder schön. (Vorsicht: Wer nachfragt, muss ihn sich auf DVD ansehen: 28 Minuten – wenn nicht gar 32.)
Aber als es folgendentags noch immer bedeckt ist, obwohl Sonne angesagt, da beschließen wir, jetzt einfach mal loszufahren, die 120 km nach Milford. Und sieh’ an: Nach langer Waldfahrt am ersten Aussichtspunkt lacht die Sonne und hört gar nicht mehr auf – mit einem Wort: hurra! Ob wir wohl so ganz spontan und ohne Buchung auf einem Ausflugsschiff Platz finden? Wir finden. 11.05 Uhr Betreten der Check-in-Halle, 11.10 Uhr Start des Lieblingsboots. Perfekt! Heut treibt sich kein Wölkchen herum, der Mitre Peak gestochen scharf und draußen auf offener Tasman-See sogar eine Schar Dusky-Delphine gesichtet. Heieiei. So fein!
Retour dann wieder Dämpfer: Von der Durchfahrt durch den Homer Tunnel her hat jemand von uns beiden vergessen, das Licht abzudrehen. Batterie schon wieder so was von leer. Ein paar Franzosen geben halb-widerwillig Starthilfe. (Touris sind ja da GANZ anders als die Neusis.) Na, zumindest haben sich die Starterkabel schon abgezahlt.
Doch das Highlight des Tages (oder vielmehr der bisherigen Reise) steht uns noch bevor: Nach der notwendigen Nachmittagsrast kriegen wir uns grad noch auf die Füße (Start: wiederum halb 6), um zum Lake Marian aufzusteigen. Ebenfalls drei Stunden gesamte Gehzeit, aber ganz anderes Terrain: Hier wird’s zum Kraxeln – an freistehenden Wurzeln hoch, trockene Flussbetten aus losem Geröll empor, über dicke Baumstämme und so was alles. Wir geben Gas, bis der Schädel dröhnt vom raschen Aufstieg – umgekehrte Taucherkrankheit quasi – und sind in 1.05 h am Ende des Weges, der in seiner ganzen Schmale direkte ins Seewasser führt. Und was für ein See.Von drei Seiten durch fast senkrechte Felswände eingetrogt, dazwischen gucken die weißen Gipfel rein, die letzte Sonne steigt grad übers Wasser in die Höhe, gegenüber im Schatten liegen noch die Schneefelder. Uff, wow, hechel’, schwitz’ – rein!
Natürlich sind wir um diese Zeit allein, daher spricht nichts dagegen, alle Hüllen von sich zu reißen und sich sozusagen total im Gletschersee zu tümmeln. Juchhe! Und brr! Was immer noch kommen soll, unter die Top 3 dieser Reise kommt die Marianne auf jeden Fall!
(Und der letzte Finne des Tages kommt auch erst, als wir wieder was anhaben. Ist mächtig stolz, es in einer Stunde geschafft zu haben ;-)
(shesheep)

Endlich Urlaub!!!

Ja, man sollt’s nicht meinen: Zwei Monate sind durch – die Zeit rast – und jetzt erst (und ich spreche vom 17. Jänner!) ist WIRKLICH das Wetter, wo Beifahrer-Schäfinnen ihre nackten Zehen in die Windschutzscheibe drücken und mit dem Fahrerschaf duettierend zum Sound des hauseigenen iPod-Autoradios lauten Halses blöken, heulen, kreischen und – ja: auch quaken.
Und das kam so: Am Tag nach dem Routeburn-Erfolg (dem übrigens ein immenses Dinner aus Steak, Eis und – ja: Apfelstrudel – folgte) kommt ein richtig gemütlicher Touristentag in Queenstown: Wir gondeln den Aussichtsberg Ben Lomond hoch (in einer Gondelbahn nämlich), stärken uns anschließend mit frisch gepressten Belgier-Waffeln unter Eis und schieben abends noch eine Dampfschifffahrt auf der honorablen TSS Earnslaw (Baujahr 1911) übern See nach. Herrliches Rasttagerl bei bedecktem Himmel und – endlich: Windstille.
Auch die Schlafe ist gerettet, stellt sich doch heraus, dass von den am öffentlichen Klo abgefüllten Waschwasserflaschen (im Rucksack auf dem Bett liegend) nur knapp zwei Liter ausgelaufen sind und die Matratze zulasten umliegender Jeans, Handtücher etc. nur wenig benässt ...
(shesheep)