Routeburn Track

Zwei Lastwagen biegen zur Lake Road ein, in die wir uns abends zuvor geflüchtet haben, und überraschen uns beim Frühstück. Die beiden Fahrer schlagen aber den angebotenen Kaffee aus – „There’s still a lot of work to do!“ Sie baggern mit dem bereitgestellten Raupengerät Schotter aus dem Bachbett. Wir indes schlabbern unser Muesli und machen uns auf den Weg.
Der Routeburn Track ist einer der Great Walks in Neuseeland. Entlang der Gorge (= Schlucht) des Route Burn Rivers wandern wir mit Päuschen bis zur zweiten Hütte. Unser Plan geht auf, die Kalkulation stimmt: Bis zum letzten Krümel essen wir das Mitgebrachte auf. Es ist wie mit dem Fresschen der Katze von Helge Schneider: Ich stelle ihr was hiiiin! Sie isst es aufff! Ebenso sicher ist es, dass man auf einem solchen Track alle Leute immer wieder trifft: Der Vater mit den zwei Jungs, die bei jedem Treffen wieder gelangweilt am Wegrand sitzen, das spanische Pärchen mit dem zwar gekauften, aber gerade deswegen sehr beredten Fremdenführer, die beiden älteren Damen, die gezwungenermaßen miteinander dahin eilen, weil ihr junger Betreuer schon vor Stunden zur Hütte vorgelaufen ist, um die Toilette zu putzen :-) Es ist ein Track für beinahe jeden. Und beinahe jeder ist hier auch unterwegs.
Das ändert aber nichts daran, dass es hier gigantisch schön ist ... und das Wetter spielt auch mit. So machen wir wiederum unzählige Fotos der hervorquellenden Berge – schneegratige, weißwasserspuckende, glänzende Riesen, die gestern so sicher noch nicht hier waren.

Anpirsch an den Routeburn, nach nicht vollendeter Anpirsch an den Shotover

Queenstown. Heute wolln wir mal was erleben! Drum tanken wir voll und steuern den Shotover River an. Strong Westerlies drängen uns jedoch bald nach Osten ab und so erreichen wir (nach nebliger Fahrt) nur die Gestade des örtlichen Skigebietes. (Anm. shesheep: Ja, so war das nämlich: Ins sicher wahnsinnig schöne, halt etwas abgelegene Shotover-Tal hätt’ eine ein bissi schmale Straße nur geführt und die hat er sich nicht traut, weil da hätt’ er vielleicht zruckschiebn müssn und das hat er sich nicht traut!) (Anm. zur Anm.: Ja, so war das nämlich, dass es den vollen Nebel drinnen gehabt hat und auf dem Schild is gstandn, dass man vielleicht auch ein paar Kilometer im Retourgang zrück muss, wenns grad mal sein muss. Ja, so war das wirklich und echt!)

Was soll’s, wir geben nicht auf und steuern nun unser Sekundärziel an: Glenorchy! Ja, da war’n wir auch schon einmal. Aber diesmal geht’s zum Start des Routeburn Tracks, der sich von dort 33 Kilometer nach Westen zieht. Die Szenerie schon auf der Fahrt am Lake Wakatipu ist genial. Kaum sind wir um die Kurve, reißt der Himmel auf und die schneebedeckten Berge klappen heraus. Shesheep kennt sich schon nicht mehr vor lauter Knipse hin, Knipse her ... Ach wie rasch entflammt ist doch der Jugend jugendliches Entflammvermögen ... Nach einer kleinen Stärkung im Café in Glenorchy geht’s weiter. Con mucho gusto nehmen wir Eduardo aus Albacete mit, einen Biologielehrer im Austausch :-) Während er noch bis Sonnenuntergang die erste Station des Tracks erreicht haben muss, bleiben wir im Tal und suchen ein warmes Plätzchen zum Schlafen – denn plötzlich bricht die ganze Ungemütlichkeit des nahen Schneefeldes in die Niederung ein.
(hesheep)

Wir traun uns ...


Nächstentags wird die Runde weiter zur Küste gekurvt, ins schottisch geprägte Dunedin, wo wir uns im einzigen Schloss Neuseelands einen gepflegten Nachmittagskaffee (samt Dudelsackspieler wegen lokaler Hochzeit) gönnen.


Eine hübsche Fahrt an der Küste wirkt weiterhin derart erholsam, dass wir uns eine Nacht in den Dünen wieder zutrauen – nicht ohne am folgenden Morgen einen Wagen um Starthilfe heranwinken zu müssen. Langsam kommt uns der Verdacht, dass es an der Nässe liegt. Wir sollten nicht mehr auf Gras parken, schon gar nicht, wenn Regen angesagt ist.
Die Route retour nach Alexandra bringt nicht viel Nennenswertes, außer – kurz vor der Stadt – irre braune Stein-Berg-Landschaften.
(shesheep)

Von Geistern und Goldwäschen


Allerdings hat der Ausflug Energien gekostet (Schotterstraße mit Felsbewuchs hin und retour). Wir jedoch – clever wie Smart – nutzen die Gelegenheit und schunkeln weiter. Unterwegs wird die Freya aussabochn. Aber das Wetter meint es nicht besonders gut und wir fliehen vor den Regenwolken ins nahe St. Bathans, wo seinerzeit ein Gespenst im örtlichen Hotel herumgespenstert sein soll. Wir erfahren, dass es immer noch da ist und bestellen einen Capuccino. Wir sind nicht nur clever, wir sind nicht nur hart, wir sind letztlich auch Hassardeure, die vor der größten Gefahr nicht zurückschrecken ... Tja, und wir fahren auch nicht weiter, bis wir nicht ein Schläfchen gehalten und uns den ungemein gefährlichen Blue Lake angesehen haben, den die Bergleut vor über hundert Jahren beim Goldwaschen ausgegraben haben :-) Dann ist’s aber genug mit Tapferkeit und Hassardeurismus: Wir checken in ein Hostel in Ranfurly ein und genießen unsere Courage und ein Filmchen im einigermaßen Warmen.
(hesheep)
Anmerkung shesheep: Eigentlich glaub ich ja, dass das Hassardismus heißt ... (muss ich aber sicher nicht wissn, bin ja nur Lektorin)

Hymne auf Freya – oder: die einzige Art einen a...kalten Abend erträglich zu machen


A...kalt, ja, das war’s. Zwei wahnsinnige Abendstunden war ich draußen – am Ufer des ebenso wahnsinnig schönen wie eisigen Poolburn Lakes. Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ja über die Befindlichkeiten eines Seefisches schreiben, aber da mir nur kurz Zeit bleibt (sitze gerade in einem Waschsalon in Te Anau), beschränke ich mich wieder mal auf die Fakten: Bei ca. 2 Grad Außentemperatur hatten es jedenfalls die Fische im See wärmer als ich ... Nach – wie gesagt – zwei Stunden war es endlich soweit; ein kurzes Zucken und sie war dran. Ich war gerade dabei mir die schon erfrorenen Finger mit der Handsäge zu amputieren, da musste ich auch schon kurbeln und die eingeeiste Bremse nachjustieren. Für Uneingeweihte: Jede Rolle hat eine sogenannte Bremse, die man derarten einstellt, dass sich der gegebenfalls sehr große Fisch von selber Schnur von der Rolle holen kann ... Ja gut, gesagt, getan; und schon schnurrte das Schnurbehältnis, dass es eine Freude war :-) Meter auf Meter zog sie mir von der Spule und ich hatte einige Mühe – langsam und feinfühlig (so feinfühlig es eben mit nur drei Fingern an der Hand geht) – das gute Stück reinzuholen. Die großen Felsen am Strand machten eine Landung auch nicht gerade leichter, aber schließlich lag sie am Ufer und japste nach Wasser. Da wir aber auch diesmal wieder als Selbstversorger unterwegs sind, konnte ich den treuen Augen widerstehen und hab sie kurzerhand erschlagen ...
Typisierung: Bachforelle, weiblich, 51 cm, ca zweieinhalb kg (wir nennen sie „Freya“). Ich freu mich ...

Dass es in dieser Nacht wirklich saukalt ist, stört uns (oder vielleicht nur mich) nicht weiter. Im Gegenteil: Ich träum’ süß. Und in der folgenden Früh springt der Kazuki auch noch tadellos an. Was will man mehr?
Achtung: Dieser Text kann geringfügige Dramatisierungen enthalten.
(hesheep)

Cool, cool

Hallo zusammen. War ne kalte Woche, das. Brr. Tippfinger eingefroren. Schon gleich nach unserer Gipfelstürmung kam drunten am See der Sturm auf. Wir trotzdem – „Härte!“ – rein auf ein Vollbad nach dem Schweiße. Ein tolles Bio-Eis später (zu Recht genannt „orgasmic“) sind wir bereit zur Weiterfahrt, nehmen auf dem Weg nach Süden am Lake Dunstan einige irre Regenbögen mit und steuern ab Cromwell Richtung Osten, um nach den vielen Regens im legendär sonnenverbrannten Central Otago etwas Hitze und verdorrte Hügel mit verdorrtem Riesen-Stein-Zeug (wir glauben: Schiefer) zu genießen.

Ja, anders kam’s. Die Temperaturen etwa 20 Grad unter dem, was sie sein sollten. Nachts wohl um die 5 Grad, tagsüber nicht wesentlich über 10. Aber Fotostimmungen hat dieses Land ... big skies ... Wetters ... ferne Schauer, Hagel, Sonnen, dräuendes Gewölks ... ufff. Die Gegend ist übrigens jene, wo dazumal ein paar rohanesische Dörfer abgefackelt wurden.
(shesheep)