24.11.2009

Another day on the run. Und los geht’s! Wir wollen schließlich zum Te Urewera Nationalpark – da geht’s so richtig wild zu. Da schei...t dich an! Und ja keine Wertsachen im Auto lassen, wennst schon mal wandern gehst. Und das Auto lässt besser auch gar nicht erst wo stehen! Aber das Sorgen-Machen hat ja auch noch Zeit :)
Jetzt fahr’n wir erst mal Richtung Süden. Vorbei an Young Nicks Head (Foto 1; hier hat Captain Cook seinen Kabinenjungen verewigt, der unfreiwillig mit an Bord war und hier als erster vom Ausguck aus Neuseeland gesehen hat). Da kann man aber schwer raus und die Zeit hamma heute nicht.
Aber vor Wairoa gibt’s da eine Halbinsel, die einiges kann: Mahia, heißt sie und wenn man da wohnt, hat man automatisch einen eigenen Strand vor der Haustür. Jeder nämlich einen kleinen ockerfarbenen. Vater Natur hat’s nämlich so eingerichtet, dass die felsigen Vorstrandausläufer schräg gerippelt in den weichen, warmen Sandstrand dringen (siehe Foto, hier leider ohne viel Sandstrand). Traumhaft da. So wünscht man sich’s ...

50 Kilometer und einen Großeinkauf an Fressalien weiter machen wir uns auf die Suche nach einem sagenumwitterten Stausee, der tief in den Bergen von Te Urewera liegen soll. Hier wolln wir heute übernachten und komme, was wolle, das tun wir auch. Da stören weder Gravel Road noch kilometertiefe Abhänge, die rechts oder links (je nach Hanglage) vom Kazuki gähnen. Und wirklich, die neuseeländische Regierung bzw. die Elektrizitätswerke haben hier – mitten im Nirgendwo – ein Dorf mit See hingestellt. Der gute Zweck kam im Nachhinein, denn hunderte schwarze Schwäne machen hier Zwischenstation. Wir nehmen’s dankbar hin und genießen wieder mal unseren Gute-Nacht-Wein mit Cracker. (hesheep)

Shesheep dazu: Da handelt sich’s übrigens um denselben Wein. Was diese Leistung betrifft, werden wir auch schon alt ...
Und shesheep wirft ihre ersten drei Angeln aus (höflichkeitshalber), bevor das fischivore Herrenschaf das Gewässer weiter erkundet.

23.11.2009 - Die Hitzewelle ist da!

Wer nun geglaubt hätte, dass wir den Weg zurück und weiter zum Tauposee genommen hätten, der irrt. Nein, wir nahmen den Weg nach Nordosten über Opotiki zur Waioeka Gorge – eine Strecke, die nicht nur für tote Possums bekannt ist (siehe Foto; dieses wurde – wie auch schon das Possum im Possumbild von vor zwei Jahren – übrigens nicht von uns erlegt). Die sonst für seine „wilderness“ gerühmte Gegend verschleierte sich uns durch leichten, um alle Ecken kriechenden Nebel (Foto 2 im Abendlicht zeigt den Dunst nur mehr aus weiter Ferne, aus nächster Nähe allerdings die kulminierende Dunkelheit :), sodass wir es vorzogen, weiter gen Osten sprich Gisborne zu ziehen.
Gute Entscheidung, wie sich bald herausstellte: Hier kam der Sommer! Sushi, Sushi. Peng, Peng! :)

Nach einem genialen Abendessen im Hafenrestaurant (nebenbei gesagt, das beste und teuerste Lokal im Ort) übernachteten wir auf dem Ortsberg im Zentrum und mit Blick auf Meer und gegenüberliegender Küste. Und wieder mal wurden wir nach einem langen Kilometerfresser-Tag mit tiefem Schlaf gesegnet ... (hesheep)

22.11.2009 - Lake Tarawera

Neben heißen Quellen gibt’s in Rotorua-Nähe auch viele kalte, tiefblaue Seen. Die stammen natürlich alle auch aus derselben jüngeren Erdgeschichte und sind vielleicht gerade deshalb für die von den Europäern eingeführte Regenbogenforelle attraktiv. In diesem Sinne machten wir uns nach dem Geothermalabenteuer auf, um die Nacht an einem dieser Tummelplätze zu verbringen.

Zu diesem Zweck drehten wir die Runde im Südosten Rotoruas. Am Lake Tarawera schließlich ließen wir unseren Kazuki in einer „Recreation Area“ rasten und uns im Abendrot einen leichten Weißwein am Holzsteg des Sees schmecken. Zur Recreation warf ich meine Angel aus (für Insider sei gesagt, dass ich einen relativ schweren Jighead mit Gummischwanz!!! gebrauchte; siehe Bild) und – Schreck – eine riesige Regenbogen konnte nicht widerstehen. Allerdings hatte sie mehr Spaß als ich, denn nach ein paar meterhohen :) Sprüngen war sie weg und mit ihr mein Eintrag ins Jahresbuch der Monsterforellenfänger. Aber was soll’s, „Gleichmut“ ist mein zweiter Vorname. Dann eben „Good Fishing“ nächstes Mal.
(hesheep)

Shesheep dazu: Also die Sprünge waren bestenfalls unterwasserige – ich war schließlich dabei! Pures Angler-aramäisch ...

Totally Grisu

Obwohl wir uns nur mit Papierführer auf den zweistündigen Rundgang Schrägstrich Wanderung machen, kriegen wir doch die Maori-Begrüßungsperformance für die All-inclusive-Bustouris aus Australien mit – jah!

Von einem Gratwanderweg blicken wir zunächst in Vulkankrater, die heute friedliche Seen bergen, aber dann ... raucht’s aus der Seite der Berge und die Seen brodeln heiß.
Auf dem Bild bin ich, noch ohne Sonnenbrand. Das wird zwei Stunden später anders sein. Aber echt: Gestartet sind wir bei kühl-bedecktem Wetter, hoffend, dass es nicht regnet. Und dann das. Autsch. Zwischen Halstuch und T-Shirt-Rand liegt ein roter Ring, der sich so vulkanisch anfühlt, wie der Ring of Fire quer durch den Pazifik, der auch quer – respektive längs – durch Neuseeland führt und die Erdbeben und das Ganze da bewirkt.

Entstanden ist die Reihe von Vulkankratern und das ganze Waimangu-Tal erst 1886, als der nahe Mount Tarawera ausbrach und das Umland über zig Kilometer verschüttete, unter anderem eine Siedlung der Europäer. Etliche Menschen starben. Es ist die einzige Gegend der Welt, in der vulkanische Phänomene auf den Tag genau datierbar sind und seit ihrer Entstehung dokumentiert werden können.
Ein idyllisches Bächlein hat in Wahrheit 50 Grad, der milchig-blaue See heißt Inferno Crater und ist ein Säurebad von 80° C. Von Zeit zu Zeit steigen graue Schlamm-Massen auf, denn hier liegt ein Unterwasser-Geysir, der diesen See zur größten heißen Quelle der Welt macht.
Zwischen grellegelben Schwefel-Ausblühungen und in fulminantem Gestank bringt die Maori-Truppe dem Aussie-Bus noch per maximal kindischem Song bei, was Hinterteil auf Maori heißt. Surreal.

Am Schluss sind wir beeindruckt, aber auch erschöpft von der Schwüle. Vom Lake Rotomahana, den es auch erst 120 Jahre in dieser Form gibt, fährt uns ein Shuttlebus zurück. Höchste Zeit, unsere Mägen hängen schon in den Knien.

Nachtrag

P.S.: Ganz gratis war der Bett-Einbau doch nicht. Einen Schmatz, der gerade noch auf der Wange gelandet ist (puh!), musste ich erdulden. (shesheep)

Fußwasser, erdgewärmt

So, 22.11.
Für den Sonnenaufgang ist ein Blick zum Racecourse von Matamata geplant, wo angeblich täglich tausende Vollblüter zum Morgentraining durchgetrieben werden. Leider regnet es, also ist es auch mit den Pferden Essig.
Weiter nach Rotorua im geothermisch aktiven Zentrum der Nordinsel, zum warmen Füßewaschen im Stadtpark – das kennen wir schon.
Neu ist ein Abstecher ins vulkanische Waimangu-Tal: Da brodelt und dampft es, heiße Flüsse, Krater, Schwefel, Säurepools ... huh – doch davon ein andermal mehr.
(shesheep)

Hobbingen

So, nun aber raus! Frisch gestärkt mit einer frühmorgendlichen Cremeroulade (mit der Betonung auf Creme) steuert uns hesheep Richtung Osten, aus dem Drizzle (Sprühregen) der Westküste raus in wettersichereres Gebiet. Unser Ziel ist der Urewera-Nationalpark. Auf dem Weg schaffen wir es endlich ins Hobbitdorf Matamata, allerdings nehmen wir keine der Tours zum Drehort (30 Euro pro Person für ein paar in Hügel eingelassene nackte weiße Wände mit runden Löchern und eine dröge Schafschurvorführung – nein!). Aber latest breaking news: Gerade werden die Sträucher gepflanzt für die Dreharbeiten zum "Hobbit".







Stattdessen wandern wir zu einem 150 m (!) hohen Wasserfall, Wairere Falls genannt. Super Aufstieg eine Dreiviertelstunde durch den Farnwald – aahh (= tiefer Schnauf einwärts vom guten alten Waldgeruch Neuseelands).


Anschließend hüpft shesheep in ein unweites Thermalbecken, geschlafen wird am Village Green von Matamata in bewährter Nähe zu den öffentlichen Toiletten, die unseren Fleiß mit Warmwasser zum Haarewaschen belohnen. Nochmals aahh!

Wirbelsturm!

Na gut, am nächsten Tag (Fr) nehmen wir offiziell unser Auto in Besitz, ein Mitsubishi L300 Cyclone – ein Wirbelsturm an Kraft also. Wir nennen ihn Kazuki. Er muss sich unsere Liebe trotzdem erst ein bisschen verdienen. Als Baujahr 1993 sieht er nicht ganz so schick aus wie unser Akira, daher gibt’s noch nicht mal ein Foto (!).
Hesheep ist so halbwegs wieder beisammen, hustet und schnieft zwar, aber die konsequente Mercurius- und Schmerztabletten-Behandlung hat den üblicherweise einwöchigen Krankheitsverlauf doch auf drei Tage abgekürzt.
Anstrengenderweise gehört Kazuki noch geputzt, die Innenausstattung gekauft (Küche vor allem) und das Campingzeug. Gut, dass wir schon ein bewährtes Schlafplätzchen kennen: den Mount Eden mit feinstem Blick über die Stadt. Weil sich die frühlingshaft-kühle Abendtemperatur noch gar nicht nach outdoor-schlafen anfühlt, verschieben wir das Zähneputzen auf morgen früh.

Wo gehobelt wird

Nach dem gemütlichen Indoor-Tag Mittwoch geht es am Donnerstag für Frau shesheep ran an den Hammer: Unser Automann hat nämlich schon begonnen, das Untergestell für unser Bett zu bauen und da musste ich natürlich meine Hilfe anbieten. Die er wider Erwarten nicht ausschlug.
Holt mich ab, fährt noch ein Auto inspizieren und lädt mich zum Mittagessen ein (!!). Das spielt sich folgendermaßen ab, dass er (ein End-Vierziger mit grauem Schnauzer und Abneigung gegen die Grünen) mir von frischem Meeresfisch vorschwärmt, in eine Vorstadt-Gewerbezone einfährt, durch bunte Plastikvorhänge ein neonbeleuchtetes Geschäft betritt, wo totes Tierzeug herumliegt. Dort grabscht er drei Monsterfische, steckt sie in einen Sack, marschiert zur Pudel, wo sie fachgerecht aufgeschnitten und auf die Grillplatte geklascht werden. Die Teller werden mit Fritten befüllt, oben drauf kommen die (wirklich lecker duftende) Tierteile – ein Hügel Zeug. Und ab damit ins Auto, Motor an und auf den Highway. Natürlich isst Ken während des Fahrens, Schaltens, Redens ... WiederholungsleserInnen kennen das. Abgestellt wird der Motor erst Feierabend.


Nicht ungern lässt er sich auch im Baumarkt mit mir sehen. Eine Holzplatte, eine Matratze, Stoff für Vorhänge und ab zum Haus seiner Mutter, wo vor der Garage eine Menge Werkzeug und Holz herumliegt, darin die unvermeidlichen zwei Oldtimer des Autofanatikers.
Aber er macht das ganz gut und dass er sich die Arbeit überhaupt antut (natürlich umsonst), ist ja total nett. Da hält man ein paar Machosprüche aus – während Herr hesheep höchst unmännlich im Hostelbett herumliegt, statt mich zu beschützen oder zumindest werktätig von Nutzen zu sein ...!