Charm charm charm!

Ja, wir nehmen den erneuten Regen GERNE hin. Pünktlich zur Wassertaxi-Abfahrt hat sich’s verzogen. Am Weg durchs Tal des Buller River (per Auto wieder) sind wir „in and out of rain“, wie man so sagt. Bubenschaf fischt grizzly-mäßig, wie eingangs beschrieben.
Ab Westport ändern wir unsere Pläne: In den 100 Great Day Walks ist nämlich ein Wanderweg beschrieben, der etwas nördlich davon liegt: der Charming Creek Walkway. Und der hält, was er verspricht: Entlang alter Kohlebergwerksschienen durch eine dramatische Schlucht (die Schienen hängen so richtig schön unterspült über den so genannten Weg!) und dann ins liebliche Charming Creek-Tal.

Und wo wir schon mal so weit sind, wollen wir doch das noch weiter nördlich liegende Karamea am Ende der Sackgasse beäugen. Tjo.
Am Weg rein morgens regnet’s nicht wenig – einige Weiden an der Straße füllen sich mit Wasserlatschen der nicht geringen Art. Der Ort selbst ist so was von tot. Nicht ein Café oder Gasthaus finden wir. Aber – Härte – frühstücken wir halt aus eigenen Beständen an der grasigen Freifläche, die ein Sportplatz sein könnte.
Drei Stunden später: Regen. Na gut, fahren wir mal wieder in den Ort rein, zur Info. Der Anlasser spuckt nur jämmerlich. Sch... – wieder mal das Licht brennen lassen. Und es regnet waagrecht.
Aber es wären nicht die Neusis, wenn nicht am nahen Campingplatz jemand sofort seinen Kaffee stehen lassen würde und uns mit eigenem, noch rasch repariertem Starterkabel aufhelfen würde. Frau Schaf bezahlt’s wieder mal mit einer Wangenkuss-Duldung (kennen wir das nicht!? ;-) – aber ein fairer Preis, angesichts der Regenjacken-Kapuze mit Seitenaufprallschutz.
(shesheep)

Von Fischen und anderen Tieren


Die Welt ist ungerecht. Und dabei hat alles so schön begonnen ...
Es war an einem schönen Dezember-Der-21ste-Tag, da brachen zwei auf, sich zu nähren von der Erde und des Meeres Frucht. Freilich war ihr Beutel weise vorausblickend gefüllt mit reichlich Morgen-, Mittag- und Abendmahl, doch wollt man sich auch ergetzen an fischlichen Genüssen. So kam’s, dass der eine der beiden beizeiten aufbrach, die See zu pflügen und so zu sorgen für ein nett’ Völlegefühl mit fischigem Nachgeschmacke. So warf er aus die Angel und fing Fisch auf Fisch – Fünf an der Zahl – die tat er in einen Korb und gab den Menschen, die da waren zu essen. Und siehe da: Alle wurde satt! Tralli tralla ... Soweit die Fiktion :-)
Tatsache ist, dass es sich in Wirklichkeit ganz anders abgespielt hat: Nachdem ich nämlich schon auf meinen vorhergehenden Angelausflügen keine Glück hatte, lief’s auch hier nicht ganz so gut – mindestens 100 Blinker gingen mir verloren (die mir hoffentlich die gnädige Reiseversicherung ersetzen wird). Aber wichtig ist ja nur das Rundherum: Und hier kann man nicht klagen. Schließlich haben wir ja einige Tierarten wiederentdeckt, die schon als ausgestorben galten: ein Possum auf nächtlichem Beutezug im Camp (Fuchskusu; Anapai Beach), ein riesiger Rochen (mindestens 120 cm lang, beim Fischen in der Medlands Bay), verschiedene sich sonnende seals (Seehunde, Seelöwen und auch Seebären!!!), ein rüder Red Snapper (gefangen in der Anapai Bay), ein obligatorischer Oyster Catcher (schwarzer Vogel mit langem orangen Schnabel) mit Jungem (Anapai Bay), eine Gruppe seltener Wander-Wale (wir konnten die Art nicht genau bestimmen; Separation Point), zwei marodierende Wekas (flugunfähige Vögel vom Hendl-Typ) am Whariwharangi Campground). Gar nicht schlecht. Wir sind zufrieden mit der Ausbeute und können den Track empfehlen :-)
Und jetzt freun wir uns auf ein Bier ...
(hesheep)

Vom richtig super aufgepeitschten Whariwharangi Beach geht’s zuletzt durchs Inland zurück nach Totaranui. Den Weg übern Gibbs Hill hätten wir uns allerdings nicht so supersteil vorgestellt! Zum Glück war’s etwas bedeckt. Belohnung war die Dusche in Totaranui, bevor – ein weiteres Erlebnis – das Wassertaxi mit uns zum Ausgangspunkt zurück brettert, an allen durchwanderten Buchten vorbei.
Klar, dass es als erstes mal ein Magnum Mandel der Sonderklasse gibt, und gleich nach dem Waschsalon ein saftiges Ripperl vom Schwein!
(shesheep)

Bubenschafs Geburtstag

Unterwegs sind da ja nicht wenige Leute. Aber es wird besser. An drei, vier Punkten zieht sich das Feld nämlich zusammen: wo Überquerungen von Inlets nur bei Ebbe möglich sind. Die Strategie: Als allerletzte am Inlet sein und dann viel Zeit lassen. So kommt von hinten niemand mehr und man holt niemanden ein ...
So geschehen am 23.11. am Onetahuti Beach – wo das zu überquerenden Flüsschen zur letzten möglichen Uhrzeit ganze 10 cm tief ist! Uns folgt noch eine Ami-Familie, die das auch nicht glauben kann. Die geben uns den ebenfalls unglaublichen Tipp, dass am Ende der heutigen Etappe ein Gasthaus liegt!!
Tatsächlich können wir Bubenschafs Geburtstag mit einem kühlen Bier (o.k.: zwei kühlen Bieren) in der Awaroa Lodge (welch Kulturschock nach dem Urwald, dieses edel-chillige Lazy-Day-Ambiente!) begießen, wonach wir grad noch hinter der Amifamilie drein zum Campingplatz wanken. Hier wird, nach einem festlichen Fertiglamm, Bubenschaf beschenkt, mit einem Buch über Neuseelands Fische (das Mädchenschaf die ganze Zeit tapfer mitgeschleppt hat). Zum Glück sind fast nur Bilder drin und die wiegen ja bekanntlich weit weniger als Text ...
(shesheep)

Possen-Alarm!

Die Retourkutsche kommt am nächsten Tag, mit „100 New Zealand Day Walks“ und natürlich wesentlich mehr Text. In der kleinen Anapai Bay steigen zwar außer uns noch sieben weitere deutschsprachige Menschen ab (Hilfe!), aber keiner von denen hat entdeckt, dass am Ende des Strandes durch solide Felswand eine Art natürliches Amphitheater von beachtlicher Größe abgetrennt ist – das wird unser Weihnachts-Wohnzimmer. Frau Schaf kann das Geschenksgewicht mit einem selbstgemachten Maori-Haka-T-Shirt (s. Bild) allerdings nicht mehr ausgleichen.
Hier ist es übrigens auch, wo – nach dem belebten Totaranui-Campingplatz – die wirklich wilde Natur beginnt: Zurück beim Zelt überraschen wir TATSÄCHLICH ein Live-Possum nahe bei unserem Müllsack. Aber ein Monsterding, riesenfett, so groß wie ein Waschbär. Lässt sich auch kaum mehr als drei Meter weit verscheuchen und das nur im schwerfälligen Trott. Aber für ein Selbstauslöserbild war es leider schon zu finster. (Nur die Deutschen blitzen, was das Zeug hält – eh klar.)
In jener Nacht halte ich meinen Kopf eher fern vom Zeltrand – könnte ja wer durchbeißen ...
(shesheep)

Weihnacht mit Abel Tasman

So, 27.12., 16.30 Uhr
Wieder mal Strohwitwenschaf.
Grund: Der Schafsbube hält sich zum erneuten Male für einen Grizzlybären (oder sonst ein Tier, das eigenhändig Fische aus dem Wasser holt). Midlife-Identitätskrise wohl, denn er ward 42! Aber das war über Weihnachten und davon hab ich jetzt massig Zeit zu berichten, bis er draufkommt, dass die guten Fische nie auf der Seite der Sandbank sind.
Manche haben’s in Mails gelesen: Der kleine Deal mit dem großen So-What ist aufgegangen. Lautend: Wir ertragen alle Frühlingswetterspäße ohne Murren (na gut: fast ohne), WENN NUR über Weihnachten es schön wird. Tja, und so war’s.
Sonne von früh bis spät, von Tag 1 bis Tag letzt. Obwohl: Spaziergang war’s keiner! Es sei denn, man kann mit geschätzten 15 Kilo am Rücken spazieren gehen. 15 Kilo, von denen man auf der ersten Steigung noch nicht weiß, wie man sie trägt. Von denen man aber weiß, dass man sie heute noch vier Stunden tragen wird. Und zumal, wenn man den Vormittag vershoppt und verpackt hat und erst gegen warme 14.30 Uhr losgeht.
(Übrigens: Vormittags vershoppt und verpackt hat man sich – und das muss ich jetzt auf mich nehmen – weil der Abend zuvor im Kino draufgegangen ist. Gesehen hat man in Motueka einen völlig unfasslichen Schmönz namens „Bride Flight“, deren kein Klischee auslassende Machart man von der Beschreibung her nicht ahnen konnte. Die Geschichte holländischer Auswanderer nach Neuseeland um 1930 bis 1970 herum. Ein ganz ganz toller, hübscher Mann, der lebtags ledig blieb und drei Frauen, die ihn alle gern gehabt hätten! „Ada van Holland“ ist seither ein running gag.)
Die erste Etappe war sicher die härteste. Aber die Gewichtsprobleme verringern sich kontinuierlich – durch Essen. (Genial.) Und man beginnt zu verstehen, wo/wie der Rucksack eigentlich sitzen sollte. Tagelang entdeckt man immer neue Gurte und Riemen – die helfen! Kommt davon, wenn man ihn jahrelang nur als Koffer missbraucht.
S’wird aber schon zum Stöhnen, als sich herausstellt, dass die exklusiv-kleine Bucht, die Frau Schaf gebucht hat, noch einen zusätzlichen Hügel hinter dem Campingplatz für die breite Masse liegt ...
Aber dann ist sie schön – sehr schön – goldig-gelber Sand und alles. Und trotzdem die Sonne schon hinter den Berg gegangen und es eigentlich recht schattig-kühl weht, reißt sich das Damenschaf, ganz undamenhaft verschwitzt, die Kleider vom Leib und stürzt sich, „Härte!“ skandierend, in die auflaufende Flut.
Abend(essen)s entdeckt man auch, wie gut sie hier Fertiggerichte hinbringen: Thai Chicken – yum!
(shesheep)