Vorschau: Fluss

Mo, 1.2.: Und schon wieder Vorfreude: Soeben haben wir die Flussreise gebucht, sprich fünf Tage im Kanu den Whanganui runter. Gestern ein gemütlicher Rasttag im Hostel – geregnet hat’s und Herr Schaf hütet das Zimmer, um eine Verkühlung abzuwenden. Aber ab morgen ist viel Schönwetter angesagt!
Strecke diesmal: Taurumanui bis Pipiriki. Wir hör’n uns also wieder am Sonntag!
(shesheep)

Geduscht und gebongt

Die Dusche kauft man sich am Campingplatz (geht ja) und zur Feier des Tages kehren wir wieder im Chateau-Café ein, auf ein Tiramisu. In dieser Hochstimmung stemmt Frau Schaf nun auch das lang schon anstehende Thema Autoverkauf, sprich, sie erledigt das Telefonat mit unserem Verkäufer, von dem wir hoffen, dass er bei seinem Angebot bleibt, uns zu helfen – was ihr außerdem die äußerst reizvolle Gelegenheit gibt, innen durch’s Chateau zur Rezeption zu schlendern, vorbei am gepolsterten Salon mit Vulkan-Aussicht und Live-Pianist, wo sich die Gäste in Fauteuils räkeln und die Palmen aus goldenen Kübeln; vorbei am hochweiß eingedeckten Speisesaal, der Lobby und all den anderen Prächtigkeiten. Und ja: Ken macht’s! Wir sollen einfach vier Tage vor Abflug in Auckland sein und dann verkauft er das Auto für uns! Jippie! Damit sind wir aller Kopfschmerzen ledig und gewinnen über eine Woche ungetrübter Reisezeit. Hach, 10 Kilo leichter ist man gleich!
(shesheep)

Kommentar hesheep: Der Wissende genießt und schweigt! Darum werd’ ich auch nicht erzählen, wie Frau Schaf sich beim Lustwandeln durch das Chateau Richtung Telefonzelle verlaufen hat und sich dann nur noch durch Aussteigen (sozusagen durch Rebooten der Festplatte = raus aus dem Gebäude) retten konnte. Noch ein Glück, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht geregnet hat :-)

Schwefelgelb, eisenrot und weiß-nicht-weiß

Sa, 30.1. Wir war’n am Tongariro! Juhu! Mit 3 Stunden Whitecliffs von gestern in den Beinen geht’s los: Shuttlebus zum Ausgangspunkt um 7 Uhr, gähn. Ingesamt geht’s 800 Meter rauf und 1200 Meter runter auf die andere Seite zum Endpunkt. Knapp 20 km oder fünfeinhalb bis siebeneinhalb Stunden. Wie erwähnt ist dieser Track sehr, sehr beliebt. Sprich wir marschieren als Horde im Gänsemarsch. Die erste Etappe gestaltet sich eher mühsam – über bzw. zwischen große/n Lavabrocken hindurch, die im Schatten liegen, während die junge Sonne schon die Augen blendet und dann kann man noch sein Tempo nicht selber wählen, weil man vorn und hinten eingeklemmt ist.
Aber es wird besser. Nach einem steileren Anstieg stehen wir (mit 50 anderen) grandios am Fuß des größten und schönsten Vulkankegels der Gegend, dem Ngauruhoe. Raufkraxeln werden wir trotz all unserer beneidenswerten Fitness heute mal nicht. Wärn noch 2 Stunden dazu.
Sieht alles sehr mondlandschaftig, grisu-mäßig aus, und nach Mordor natürlich auch. Die wahren Highlights stecken auf dem mittleren Streckenteil, denn hier kommen Farben ins schwarzgraue Spiel: der Red Crater, die türkis-und-schwefelgelben Emerald Lakes, der majestätische Blue Lake, der auch tapu (den Maori heilig) ist. Außerdem stinkt’s grandios, nach faulen Eiern.
Jenseits öffnet sich dann der Blick zum Tauposee, dem größten des Landes und dann geht’s runter durch Grasland und zuletzt Regenwald. Puh!
Man kann sagen, erst der Abstieg war die wahre Challenge. Weiter runter gehen als zuvor rauf, fühlt sich seltsam unrichtig an. Und es zaht sich ziemlich. Zuletzt haben wir’s in gut 5 Stunden reiner Gehzeit geschafft und fahren um 3 Uhr ab, gerade als der heutige Nachmittagsregen einsetzt. Sehr zufrieden, sehr happy.
(shesheep)




Hillarys Füße!

Die oberflächliche Betrachtung von Sir Edmund Hillarys Füße ergibt Folgendes: braun und glänzend. Seine Füße waren braun und glänzend! Von oben betrachtet. Er hatte glänzende braune Füße. Ein glänzendes Braun sozusagen. Zeitlebens habe ich Menschen bewundert, die glänzend braune Füße haben. Man soll Menschen nacheifern, die glänzend braune Füße haben. Was hab ich mich immer geschunden auf der Suche nach glänzenden Vorbildern, dabei ist es so einfach ... Und morgen geht’s los: Horray! Der Berg ruft! ... Und bald schon werde ich sie selber haben: glänzend braune Füße!
(hesheep)

Ganz schön schön

Ja, die Welt ist schön. Alles zahlt sich aus am Ende. Heisassa. (Und gell: Auch das Männerschaf in der zweiteiligen Reisegruppe war ur-fertig auf der heißen Heuwiese und ur-unmotiviert.) Aber schon der schiere Anblick der Tasmansee regeneriert. Und der folgende Strandspaziergang retour ist nichts als ein Fest.
Und die Kleine-Bergstraßen-mit-tollen-Ausblicken-Fahrt war superspaßig (ob Herrenschafs Gatte angesichts geschotterter Außenkurvenbänken bzw. darüber hinaus ganz trocken geblieben ist, weiß ich nicht, aber gefahren bin ich 1a-sicher).
Na, dann auf zurück nach Whakapapa, Ausgangspunkt der Vulkanwanderung – wir freun uns! Whakapapa ist das Dorf, wo dieses riesige Chateau-Hotel steht, wo die Herr-der-Ringe-Crew natürlich abgestiegen ist. Wir haben uns sogar reingetraut, vor einigen Tagen schon, in das Seiteneingangstagescafé zumindest. Die ganze Woche schon ging jeden Nachmittag ein Mordshagelsturm ab – toller Anblick (von drinnen).
(shesheep)

Beitrag, in dem Schopenhauer weiße Klippen küsst

Freitag, 29.1.: Irgendwie sind wir ein bisschen weg vom Zeug, wandermäßig. Geht irgendwie gar nicht, heute. Zu viel nur Autogesitze in letzter Zeit. Mühsam schleppen wir uns mittags los, (weil man vor der Ebbe um 14 Uhr nicht auf den Strandabschnitt des Weges kann). Außerdem wirft das nahe Ende der Reise seine Schatten voraus. Wieder mal. Wie gehen wir das Autoverkaufen an? Wird es wieder an den Nerven reiben? Oder tut es das nicht eh schon? Man schwankt zwischen Abschiedsschmerz, Torschlusspanik und überhaupt am liebsten gleich heute in den Flieger steigen wollen. Ganz komisch. Aber was soll man machen? Man schleppt sich weiter.
Über ansteigende Heuwiesen, heiß und fad. Aber dann. Kommt man doch runter ans Meer und es gefällt.
(shesheep)
Und sehr gefällt es sogar. Das Wetter ist perfekt, der schwarze Strand kann gar nicht schöner sein (er ist dennoch kühl), Low Tide setzt gerade ein, nur ein paar Leute sind unterwegs, kleine Hunde surfen auf Minisurfboards in der mäßigen Brandung!
Im Übrigen möchte ich sagen, dass das „Geseiere“ über die vergangenen Tage nicht von allen der unzähligen Mitreisenden so empfunden wurde. Denn wie schon der erkleckliche Trinker Schopenhauer sagte: „Das Wetter ist über jede Gefühlsregung erhaben“ (Wie er das allerdings gemeint hat, darüber streiten die Epigonen noch heute).
Whitecliffs sind zu empfehlen, das hat er sicher auch schon gesagt, denn immerhin geht’s da hundert Meter hoch (wenn man unten steht) bzw. hundert Meter runter (wenn man oben steht). Sollte jemand Genaueres wissen wollen, so können bei privaten Zusammenkünften Fotos gezeigt werden, die diesen Sachverhalt bestätigen ...
Die Wanderung am Beach ist zusätzlich und unerhoffterweise vergleichsweise einfach und so sind wir bald wieder am Ausgangspunkt. Zu diesem Zeitpunkt sind wir alle schon wieder guter Laune und sogar die nun folgende Fahrt Richtung Taumarunui (shesheep fährt) verläuft erfolgreich, wofür ich mich am Ende der Etappe mit einem ausführlichen Vaterunser und zwei Gegrüßetseistdumaria bedanke. Die Welt ist schön.
(hesheep)

Kommentar shesheep: Na, wenn du mich direkt vor der großen, läuternden Auflösung unterbrichst ... bzw. kochen schickst ...
Na, eh klar, super is' wordn wieder mal. Ist doch das Salz in der Reisesuppe, dass es mal runter, dann wieder rauf geht und dass man da durch muss und all das ...

Text ohne Titel


Besser wird’s aber am Donnerstag (28.1.), als wir eine zweitägige Großrundfahrt starten – zu Orten, die wir erstens mögen, die zweitens nicht ganz so tot sind wie Skiorte im Sommer und wo drittens das Wetter schön ist: Wanganui und New Plymouth. Also die Runde westwärts und ans Meer. Wanganui („Hier ist jeder ein Künstler.“) erfreut uns mit einem Heritage Walk, also Schlender durch die Stadt samt Heftchen, das über die historischen Bauwerke erzählt, einem orangen Café, tollem Wetter, Picknick im Park.
An der Küste entlang kommt Waverley mit pittoresken Bauruinen, mehr Maori-Bevölkerung und Vanilleeis, dann Patea mit feiner Flussmündung am Strand und nach einer geradlinigen Inlandsfahrt abends New Plymouth mit Festival im botanischen Garten der Stadt. Der Band-Gig (Rock-Blues-Irgendwas) ist nicht ganz unseres, aber als Dinnerkonzert tut er’s und überhaupt ist es ja das Ambiente, das zählt: Die Bäume bunt beleuchtet, alles sitzt im Gras, Kinder fallen in unsere Weingläser ... ein Idyll.
Die Pläne sind soweit gesponnen: Morgen der ebenfalls langgehegte Wunsch „Whitecliffs Walkway“ nördlich von New Plymouth (weiße Klippen – der Name sagt es richtig), und tags darauf der Vulkan (genauer: Tongariro Crossing, der beliebteste Tagesmarsch des Landes, aber nicht un-anstrengend) – ein ambitioniertes Programm.
(shesheep)

Alarm und Totschlag

Es folgen zwei ereignislose Tage, unterminiert vom Warten auf besseres Wetter, um was vom Netten tun zu können: den Zentralvulkan der Nordinsel besteigen, auf dem Whanganui kanuten. Stationen im Zentralraum der Nordinsel sind Taihape, Turangi, Taupo (wo man für den unsäglichen „Sherlock Holmes“ sogar Kinokarten bezahlt – sagt schon viel über unseren Zustand ;-), Whakapapa, Ohakune. Zwischendurch aufgeheitert von orangig-pinkischen Sonnenuntergängen, doppelten Regenbögen vor schneebelegenen Vulkankegeln und ein, zwei guten Lachern.
So gönnt man sich etwa in Ohakune zwei gepflegte Fläschelchen Gin Tonic aus dem Liquor Store, wird eingeladen, um die Ecke auf der Veranda Platz zu nehmen (für vor dem Geschäft fehlt leider die Schanklizenz, aber da drüben geht’s schon ...), mit Blick auf die Ortsfeuerwehrzentrale jenseits der Haupstraße, spekuliert noch, ob hier ein Liquor Ban, also Alkoholverbot an öffentlichen Plätzen, gilt. Und akkurat als Schafsbube den Öffnerzipf bedient, geht die Sirene los. Die eintrudelden Feuerwehrmänner streben allerdings dann doch anderen Zielen zu als unserer Verhaftung.
Der andere kommt aus dem Radio. Auf der vorigen Reise hat uns seit der Durchfahrt durch Kaikoura, die Wal- und Delfin-Watching-Kapitale des Landes, quasi als „running gag“, die Vorstellung begeitet (aus welchen Gründen auch immer), einen der netten Quotendelphine mit dem Ruder des gemieteten Bootes zu erschlagen.
Nun stellt sich heraus, dass eine nicht näher benamste Frau mit so ziemlich dieser Anklage vor Gericht steht. Hat der Laune aufgeholfen, irgendwie.
(shesheep)

Kommentar hesheep: Also da sag mir keiner was gegen den glorreichen Sherlock aka Robert Downey Jun. Selten so einen schlagkräftigen, emotionalen Jahrhundertwendedetektiv gesehen. Selten so ausgebuffte Effekte aus der Martial-Arts-Ecke im klassischen Genre angewendet gesehen. Selten so gelacht auch. Aber in echt jetzt: War der Regisseur der mit der Madonna damals?

Kommentar shesheep zum Kommentar hesheep: Dir ist doch klar, dass mindestens die Hälfte jetzt glaubt, du meinst das wirklich so (?)

KzKzK der shesheep von hesheep: Meine Zielgruppe sind Leute, die mich kennen ...

Hohe Wände, tiefer Fall

Nächstes Ziel: die Rangitikei-Schlucht, einer der Drehorte für den Fluss Anduin im „Herrn der Ringe“. Haben wir auf der vorigen Reise irgendwie übersehen, weil’s nicht auf der Strecke lag. Aber allein die Fahrt ist schon irr: Erdbeben haben hier tiefe, tiefe, nämlich wirklich tiefe Spalten durchs Land gezogen. Man fährt durch die Gegend, denkt an nichts Schlechtes und plötzlich geht’s 30 Meter neben der Straße wieder zig Meter runter. Meistens sieht man gar nicht bis zum Boden.
Nachmittags ziehen die Wolken wieder dramatisch herum und während uns ein gemütliches Schläfchen derglengt, geht es voll ab, das Gewitter. Heavy, heavy rain. Wow. Also das hat was. Wenn schon Regen, dann wenigstens mit Erlebniswert.
Den steigert das Wetter auch in der Schlucht selbst – da fallen die Kiefer: Nicht nur geht es links und rechts von dieser Brücke in senkrechten, weißen Wänden 80 Meter runter, nein, vom gachen Regen stürzen sich noch dermehrert Spontan-Wasserfälle über die Kanten, schlammbraun. Wieder mal total elementar.
Natürlich können sie so schöne Brückenflüsse nicht von Bungy-Anlagen verschonen und so hüpft dem Schafsfräulein gleich noch mal das Herz in den Hals, nämlich als ein Pärchen am Seil rausgelassen wird – und dann plötzlich aus dem Haken fällt. Was wie ein Unfall aussieht, nennt sich „Swing“. (Man pendelt dann überm Fluss aus.) Und eine Schafsfrau kann sich pötzlich richtig gut vorstellen, dass man wirklich vor Schreck sterben kann ... nämlich bis zu einem halben Tag später noch! (Anm. d. Autorin: sie selber nämlich, nicht das Adrenalin-Pärchen)
(shesheep)

Abschied nehmen et al ...

Immer wieder ist es so eine Sache: Was Gern-Gehabtes loslassen. Da gibt’s zwar verschiedene Abstufungen in der Intensität, aber die Tatsache an sich bzw. der Vorgang an sich bleibt bestehen. Passiert bei der Fahrt nach Picton. Man lässt die Südinsel Revue passieren und erkennt, dass es diesmal doch einen unabgeschlossenen, noch dazu aus eigenem Verschulden unabgeschlossenen Task gibt: Aber ehrlich, wie blöd muss man sein, um auf einen Lachsfischzug nur zwei (2) lachstaugliche Köder mitzunehmen? Dieses Fragezeichen ist nur Staffage – es sollte eigentlich ein Rufzeichen sein! Und dann verliert man beide noch dazu am selben Stein. Unerreichbar im dahinbrausenden Gewässer nur knapp zwei Meter vom Ufer entfernt. Aber, was schreib ich da? Welcher Unfischer kann das schon nachempfinden? Was bleibt, ist jedenfalls Leere, die Nullität (nicht mit bekannter philosophischer Terminologie zu verwechseln), das unbestimmte Gefühl nah dran gewesen zu sein. Und nah dran war ich, denn mein Nebenmann, John aus der Nachbarschaft, hatte das Vergnügen. Das Vergnügen mit dem Fisch (ein 19-Pfünder, siehe Foto).
Aber – was soll ich sagen – dann muss ich eben wieder kommen. Mein Riesenfisch wartet noch!
(hesheep)

Brausen und Sausen

Ein letztes Geschenk zum Abschiedsschmerz von der Südinsel (Herr Schaf) bzw. gegen die Regen-Tristezza (Frau Schaf) hat uns der Fährort Picton gemacht. Oder zwei sogar: Erstens eine öffentliche Münzdusche am Hafen und zweitens ein abendlich aufgeklartes Feuerwerk, zu dem man nun endlich den Silvesterwalzer auf den/die etwas abschüssige/n ParkplatzruselSchrägstrichWiese überm Hafen legt. Fein, das!
Ja, die Livemusiksause im Hafen währte lange und laut. Und das Aufstehen zur Fähre war ein frühes. Last Check-in um halb sechs. Verhangen und verregnet und wie immer nicht ganz well vom Seegang trudelt man in Wellington ein und fährt vom Schiff direkt ins Museum, denn hier ist es trocken, warm, garantiert erdbebensicher (so werben sie) – und es gibt Kultur (siehe Foto)!
Gegen Mittag zwingt das Licht die Augen wieder zu und eine Rast am nördlich von Wellington gelegenen Pukerua-Strand hilft enorm. Über ein sonniges Palmerston North mit 2 x Fish & Chips geht es flott weiter aufwärts.
(shesheep)