
Tag 2: Das Schaf fängt einen Mortimer. Perfekt im Abendlicht vor dem Wasserfall des Ohau-Flusses. Er schmeckt mit engelsgekühltem Weißen. Zum Teilen ist keiner da – unseren Fischschmaus nehmen wir in splendid isolation – zu zweit am Campingplatz.
Tag 3: Wir machen uns zum Deppen. Haben gestern ein Kuh gesehen, gefangen auf einer winzigen Sandbank, von der sie unmöglich wieder weg kommt. Rudern extra ein Stück ein Flüsschen rein, um jemandem Bescheid zu geben, dass das arme Ding nicht verreckt. Zwei Tage später werden wir dafür ausgelacht. Erstens können Kühe schwimmen und zweitens gehen bei größeren Fluten schon mal zigtausend Stück Vieh verloren und werden dann zum Beispiel ins Meer getrieben und 7 km weit draußen abgeschossen.
Nun beginnt die Whanganui-Schlucht. Links und rechts geht’s rauf, bis zu 40 m hoch, bis zu senkrecht, meist trotzdem dichtestens von Urwald bewachsen. Aus schmalen, senkrechten oder schrägen Spalten kommen die Bächlein, oft als Wasserfälle. Felsen bilden Gesichter, Tiere, bizarre Formen. Lange Strecken glattesten Wassers zeigen Spieglungen, die das Hirn in die Welt da unten ziehen. Ganz oben schließen die Urwaldriesen die Sicht ein. Dass dieses Tal magic ist, war schon voriges Mal klar.
Tag 4: Die leichten Verspannungen im Nacken dehnen sich auf den Schultergürtel aus. Die Kilometer stecken der Schäfin schon in den Knochen (am Ende werden’s 145 sein). Aber sich zurücklegen über die Kühlbox, den hohen Wald vorbeiziehen sehen, Wasser und Vögeln zuhören und dösen – das geht. Denn der Schäferich kann noch. Heut abend kehren wir in einer Maori-Wohnstätte ein, die auch als Campingplatz fungiert. (Hier ging der Knipse ihr Saft aus.) An Gesellschaft haben wir ein britisches Pensionistenpaar, das von einem ansässigen Maori mit Motor-Kanu durch’s Tal geschippert wird und zwei nette Kanadierinnen. So wird’s ein spaßiger Abend, nach dem sich die Schäfin in eine angebotene High-Tech-Hängematte (mit Moskitonetz) bettet, auf dass die Verspannung nachlasse.
Tag 5: Das tat sie, nur Schlaf gab’s keinen, denn an die zehn Riesenpossen jagten sich die Bäume rauf und runter, versuchten, das Spannseil zu betänzern und ähnliche Späße. Na, eine Erfahrung. Danach (und nach dem Genuss der einzig angemessenen Portionen Seemannsrum abends zuvor) sind aber beide Schafe froh, dass das Motorkanu sie andocken lässt. Drei Mal kräftig nass geworden später (die Stromschnellen hier sind diesmal ziemlich groß (das im Bild ist allerdings keine)) landen wir auf diese Weise glücklich – und rechtzeitig zur Abholung – in Pipiriki an. Was auch bald verheilen wird, ist eine angebrochene Ringzehe (shesheep) und ein angebrannter Oberschenkel (hesheep).
i know the angel! ein wahrer schutzengel- von wegen profanes Motiv!bizzz
AntwortenLöschenhey hardcore-sportler! immerhin: besser so rum als ein angebrochener oberschenkel und ein angebrannter zeh. wenn ihr mich gefragt haettet, ob kuehe schwimmen koennen, ich haetts vermutlich falsch beantwortet, aber ihr als grossbauern? auf jeden fall sympathische hilfsaktion und eine prise dramatik im grauen kanu-alltag ;)
AntwortenLöschenwie waers uebrigens mal mit einem gemeinsamen fisch-essen dann in wien?
take care! b.
@cocotte: jojo, kleiner wink! wir finden ja, der engel sieht über unserer bauchigen flasche aus wie so ein leicht fettebäuchiger erzbischof aus dem mittelalter... und mittlerweile hat er leider einen schuss ins herz gekriegt und blutet rot daraus. aber er hält kühl!
AntwortenLöschen@birgit: fische jam! nachdem das herrenschaf einem nicht gefangenen lachs nachtrauert, schüren wir am besten seine pein mit einem solcherartigen steak ...